Der Ball fliegt, die Fellnase prescht los – und bleibt dann mit der Beute am anderen Ende der Wiese seelenruhig sitzen, statt sie Ihnen zurückzubringen. Wer seinem Hund das Apportieren beibringen möchte, kennt diese Momente, in denen Theorie und Praxis auseinanderdriften. Mit einem richtigen Plan wird aus dem Hinterherjagen jedoch rasch eine artgerechte Beschäftigung, an der Sie beide Freude haben. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Ihrem Vierbeiner das Apportieren üben können.
Was bedeutet Apportieren?
Der Begriff stammt aus der Jägersprache und meinte einst schlicht: „erlegtes Wild zum Jäger bringen“.
Im Hundealltag von heute steckt dahinter ein kleines Kunststück und ist alles andere als das gute alte „Stöckchen holen“: Ihr Hund läuft los, nimmt einen Gegenstand auf und liefert ihn bei Ihnen ab, ohne ihn unterwegs zu vergraben oder triumphierend durch den Park zu tragen. Was mühelos aussieht, ist in Wahrheit eine ganze Kette von Handlungen: hinlaufen, greifen, halten und den Dummy dem Herrchen oder Frauen zurückbringen und abgeben.
Statt kopfloser Hetze zählt beim Apportieren Konzentration, ein klares Ziel und das freiwillige Übergeben in Ihre Hand. Ihr Vierbeiner denkt mit, statt nur zu rennen.

Welche Vorteile bringt das Apportieren für Hunde?
Apportieren verbindet Bewegung mit Köpfchen: Das Tier wird körperlich ausgelastet und geistig gefordert. Gleichzeitig schulen Sie Gehorsam und Impulskontrolle, denn Ihr Vierbeiner lernt, auf Ihr Signal zu warten und sich zu beherrschen. Dazu kommt der vielleicht schönste Effekt: Gemeinsame Aufgaben stärken die Bindung zwischen Mensch und Tier.
Wer noch mehr Abwechslung sucht, kombiniert das Apportieren mit mehr Schnüffel- und Nasenarbeit oder bettet es in andere Formen der artgerechten Beschäftigung ein. So bleibt das Hundetraining abwechslungsreich und Ihr Vierbeiner freut sich auf jede neue Einheit.
Mit diesen Hunden können Sie das Apportieren üben
Grundsätzlich kann jeder gesunde Vierbeiner das Apportieren lernen, unabhängig von Rasse und Alter. Manche Tiere bringen den passenden Trieb von Haus aus mit: Apportierhunde wie Labrador Retriever oder Golden Retriever wurden über Generationen auf das Bringen gezüchtet und sind oft mit Feuereifer dabei.
Andere Rassen, etwa viele Spitze, zeigen von Natur aus weniger Interesse. Mit kleinschrittigem Aufbau und der richtigen Motivation lässt sich aber fast jede Fellnase begeistern bei den Apportspielen mitzumachen.
Den Gesundheitszustand sollten Sie dabei im Blick behalten. Für übergewichtige Hunde und Vierbeiner mit Gelenkproblemen oder Arthrose sind ruckartige Stopps und weite Würfe ungeeignet.
Verzichten müssen diese Hunde trotzdem nicht die Apportarbeit: Kurze Distanzen und ein langsames Ausrollenlassen des Dummys halten die Belastung gering.
Welpen das Apportieren beibringen
Auch Welpen dürfen früh mit den Grundlagen beginnen, allerdings spielerisch und ohne Leistungsdruck. In diesem Alter geht es vor allem darum, Freude am Bringen zu wecken und das Hergeben von Gegenständen zu üben.

Das brauchen Sie zum Apportieren üben
Viel brauchen Sie für den Start nicht. Apportierspiele sind sehr kostengünstig! Ein hundegerechter Wurfgegenstand und etwas zum Belohnen genügen meist.
- Dummy oder Futterbeutel: der klassische Apportel für das Dummytraining. Er liegt gut im Fang, hat keine scharfen Kanten und lässt sich sauber werfen.
- Ball oder weiches Spielzeug: eine motivierende Alternative für verspielte Vierbeiner. Achten Sie auf eine sichere Größe, die nicht verschluckt werden kann.
- Schleppleine: gibt Ihrem Hund Freiraum und Ihnen die Möglichkeit, ihn bei Bedarf sanft heranzuführen.
- Kleine Belohnungen: Mit Trainingssnacks motivieren Sie Ihren Hund, ohne ihn zu überfüttern. Welche Sorten sich fürs Training eignen, lesen Sie in unserem Überblick zu den besten Trainingsleckerlis.
Ihrem Hund Apportieren beibringen – Schritt für Schritt
Suchen Sie sich für den Anfang eine ruhige Umgebung mit wenig Ablenkung. So kann sich Ihre Fellnase ganz auf Sie und die neue Aufgabe konzentrieren. Danach gehen Sie in kleinen Schritten vor:
- Interesse wecken: Zeigen Sie Ihrem Vierbeiner den Dummy und machen Sie ihn neugierig. Ziehen Sie den Gegenstand über den Boden von ihm weg, fast wie bei einem Fangspiel.
- Werfen und nachlaufen lassen: Werfen Sie den Dummy ein kurzes Stück. Läuft Ihr Hund hin und nimmt ihn auf, ist der richtige Moment zum Loben gekommen.
- Zurückrufen: Locken Sie Ihr Tier freundlich zu sich. Bewegen Sie sich dabei ruhig rückwärts, das motiviert viele Hunde, Ihnen zu folgen.
- Abgeben und belohnen: Gibt Ihr Hund den Dummy ab, loben Sie ausgiebig und bestätigen mit einer Belohnung. Welche Methoden sich bewährt haben, zeigen wir Ihnen im Beitrag zum richtigen Belohnen. Weiche Trainingsleckerlis eignen sich gut, weil Ihr Vierbeiner sie schnell frisst und sofort weiterarbeiten kann.

Schwierigkeit beim Dummytraining steigern und weitere Tricks
Sitzen die Grundlagen, dürfen Sie die Aufgabe anspruchsvoller gestalten. Beim klassischen Dummytraining lassen Sie Ihren Vierbeiner zunächst absitzen, werfen den Dummy und schicken ihn erst auf ein Kommando los. Das schult die Impulskontrolle enorm.
Weitere Möglichkeiten, das Training auszubauen:
- Distanz und Sichtschutz: Verstecken Sie den Futterbeutel außer Sichtweite, sodass das Tier die Nase einsetzen muss. So fließt ganz nebenbei Schnüffelarbeit mit ein.
- Mehrere Dummys: Schicken Sie Ihren Vierbeiner nacheinander zu verschiedenen Stellen. Das fordert Konzentration und Merkfähigkeit.
- Grundkommandos kombinieren: Bauen Sie Signale wie „Sitz“, „Bleib“ und „Bring“ ein, um die Abläufe sauber zu strukturieren.
- Jackpot-Leckerli einsetzen: Für einen rundum gelungenen Rückruf, darf es das besondere Lieblingsleckerli Ihres Hundes sein, beispielsweise ein Hundekeks.
Steigern Sie den Schwierigkeitsgrad immer in kleinen Etappen und orientieren Sie sich am Lernfortschritt Ihres Hundes.

Welche Fehler sollten Sie beim Apportieren vermeiden?
Die häufigsten Stolperfallen lassen sich leicht umgehen, wenn Sie sie kennen:
- Stöckchen werfen: Verzichten Sie unbedingt auf Holzstöcke. Sie können splittern und im Maul- oder Rachenraum schwere Verletzungen verursachen.
- Der Beute hinterherjagen: Gibt Ihr Hund den Dummy nicht her, bleiben Sie ruhig und reißen Sie ihn nicht aus dem Fang. Halten Sie stattdessen einen Tauschgegenstand bereit. Ein hochwertiger Hunde-Kausnack wirkt hier oft Wunder.
- Zu lange Einheiten: Überforderung führt zu Frust. Kurze, positiv abgeschlossene Einheiten bringen mehr als langes Üben.
- Dauerndes Ballwerfen: Pausenloses Werfen treibt den Adrenalinspiegel hoch und belastet die Gelenke. Kontrolliertes Apportieren mit klaren Pausen ist die gesündere Wahl.
So wird das Apportieren zu Ihrem gemeinsamen Lieblingsspiel
Apportieren ist mehr als Hinterherlaufen und Zurückbringen: Es ist gemeinsame Zeit, in der Ihr Vierbeiner Kopf und Körper einsetzen darf und Ihre Bindung mit jeder Einheit wächst. Fangen Sie klein an, feiern Sie jeden Fortschritt und probieren Sie ruhig auch andere Formen vom Hundesport aus, wenn Sie auf den Geschmack gekommen sind. Schnappen Sie sich den Dummy, gehen Sie raus und entdecken Sie, wie viel Freude im gemeinsamen Spiel steckt.
Häufige Fragen zum Apportieren
Ab welchem Alter kann ich dem Hund apportieren beibringen?
Mit den spielerischen Grundlagen dürfen Sie bereits im Welpenalter beginnen. Achten Sie nur darauf, dass Sie auf harte Würfe, hohe Sprünge und ruckartige Stopps verzichten, solange die Wachstumsfugen noch nicht geschlossen sind.
Mein Hund will nicht apportieren, wie kann ich es mit ihm üben?
Wecken Sie zuerst das Interesse am Dummy, indem Sie ihn über den Boden ziehen und zum Spielobjekt machen. Belohnen Sie jeden kleinen Schritt und halten Sie die Einheiten kurz. Zeigt Ihr Vierbeiner dauerhaft kein Interesse, ist das kein Drama, dann passt vielleicht eine andere Beschäftigung besser zu ihm.
Mein Hund behält den Dummy, was kann ich tun?
Vermeiden Sie es, hinterherzulaufen oder am Apportbeutel zu ziehen, denn das wird schnell zum Spiel. Bieten Sie stattdessen einen attraktiven Tausch an und loben Sie sofort, sobald Ihre Fellnase den Dummy freigibt.
Welche Kommandos brauche ich, um meinem Hund Apportieren beizubringen?
Hilfreich sind die Grundkommandos „Sitz“ und „Bleib“ sowie ein klares Bringsignal wie „Bring“ oder „Apport“. Damit strukturieren Sie den Ablauf vom Losschicken bis zur Abgabe.
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