Montagmorgen, acht Uhr, das Großraumbüro füllt sich – und unter dem Schreibtisch von Kollegin Maren rollt sich ein Labrador zusammen, als wäre es das Normalste der Welt. Was vor wenigen Jahren noch ungewöhnlich war, wird in immer mehr deutschen Unternehmen Alltag: Ein Hund im Büro. Doch so verlockend der Bürohund klingt – zwischen Arbeitsrecht, Kollegenrücksicht und den Bedürfnissen Ihres Vierbeiners gibt es einiges zu klären. In unserem Magazin zeigen wir, wie der gemeinsame Arbeitsalltag für alle Beteiligten gelingt und welche Vorteile ein Hund im Büro bereithält.
Immer mehr Arbeitnehmende möchten Ihren Hund mit ins Büro nehmen
Das ist mal eine Hausnummer: 47 Prozent der Arbeitnehmenden in Deutschland, die einen Bürojob haben, besitzen einen Hund. Die Krux: nur jeder und jede Zweite kann seine Fellnase auch wirklich mit zur Arbeit nehmen.
Dabei setzt sich der Bundesverband Bürohund e.V. seit 2014 dafür ein, dass Vierbeiner als Teammitglieder in Unternehmen anerkannt werden. Schließlich soll die Anwesenheit eines Hundes die Ausschüttung von Oxytocin (als „Kuschelhormon“ bezeichnet“) fördern. Ein Hormon, das Stress reduziert, das Wohlbefinden steigert und die soziale Kompetenz erhöht. Wenn das nicht mal die Leistung am Arbeitsplatz fördert. (1)

Auch der Deutsche Tierschutzbund macht sich mit dem jährlichen Aktionstag „Kollege Hund“ stark. Die Botschaft: Hundefreundliche Arbeitgeber entlasten Tierheime, weil weniger Hunde aus Zeitgründen abgegeben werden. Gleichzeitig steigt die Attraktivität als Arbeitgeber: Laut der Nationwide/HABRI-Studie würden 88 Prozent der Beschäftigten in haustierfreundlichen Unternehmen ihren Arbeitsplatz weiterempfehlen. (2)
Welche Vor- und Nachteile hat ein Bürohund?
Kennen Sie die TV-Serie „Stromberg“? In der fiktiven Versicherungsfirma wäre ein Bürohund vermutlich das Einzige gewesen, was die Stimmung zwischen Ernie, Ulf und dem Chef noch hätte retten können. Spaß beiseite: Die Vorteile überwiegen – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen. Wer vorab Allergien, Ängste und die Körpersprache des eigenen Hundes ehrlich einschätzt, legt den Grundstein für ein entspanntes Miteinander.
Ein Hund im Büro verändert die Dynamik im Team. Damit Sie realistisch abwägen können, haben wir die wichtigsten Argumente gegenübergestellt:
Vorteile
- Stressreduktion: Oxytocin senkt Blutdruck und Cortisol
- Besseres Betriebsklima und mehr Kommunikation im Team
- Gassirunden fördern Bewegung und frische Luft. Stichwort: aktive Pause.
- Weniger Burnout-Gefahr durch regelmäßige Entspannungsmomente
- Stärkere Mitarbeiterbindung und positives Arbeitgeber-Image

Nachteile
- Hundehaare können bei Kollegen allergische Reaktionen auslösen
- Nicht jeder fühlt sich wohl in Nähe von Vierbeinern, manche haben Angst
- Bellen, Spielaufforderungen oder Unruhe können stören und ablenken
- Fellpflege und Sauberkeit erfordern zusätzlichen Hygieneaufwand
- Schäden an Firmeneigentum gehen zulasten des Halters
- Nicht jeder Vierbeiner eignet sich für die Büroumgebung

Den Hund einfach mit ins Büro nehmen – geht das?
Kurz gesagt: Nein, nicht ohne Erlaubnis. Laut § 106 der Gewerbeordnung (GewO) liegt die Entscheidung beim Arbeitgeber. Über sein Weisungs- und Hausrecht bestimmt er, ob und unter welchen Bedingungen ein Bürohund am Arbeitsplatz gestattet ist. Einen gesetzlichen Anspruch auf die Mitnahme Ihres Vierbeiners gibt es nicht.
Wer ohne Rücksprache mit dem Haustier im Büro erscheint, riskiert eine Abmahnung. Im Wiederholungsfall droht sogar eine verhaltensbedingte Kündigung. Ausnahmen gelten für Blindenführhunde und Assistenzhunde, die zur Ausübung der Tätigkeit notwendig sind.
Suchen Sie das Gespräch mit Ihrer Geschäftsführung. Bringen Sie konkrete Vorschläge mit: Wo darf das Tier sich aufhalten? Wie sehen die Pausenregelungen aus? Klären Sie vorab, ob Kolleginnen oder Kollegen Allergien oder Ängste haben. Halten Sie die Vereinbarung schriftlich fest, etwa in einer Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung. Und schließen Sie eine Tierhaftpflichtversicherung ab – sie übernimmt die Kosten, falls Ihre Fellnase Firmeneigentum beschädigt oder jemanden verletzt. Die Versicherung ist in einigen Bundesländern sogar gesetzlich vorgeschrieben.
Welche Hunde eignen sich als Bürohund – und welche nicht?
Rasse und Größe spielen eine untergeordnete Rolle. Ob Dackel oder Deutsche Dogge: Was zählt, ist das Wesen Ihres Vierbeiners. Ein guter Bürohund bleibt in ungewohnten Situationen gelassen, reagiert freundlich auf fremde Menschen und kann sich über längere Zeit ruhig verhalten.
Grundsätzlich gelten Hunderassen mit ausgeglichenem Temperament und einer hohe Toleranzschwelle als bürotauglich:
- Labrador Retriever
- Golden Retriever
- Cavalier King Charles Spaniel
- Malteser
Ängstliche Tiere, die bei jedem Geräusch zusammenzucken, oder stark territorial motivierte Artgenossen, die jeden Besucher verbellen, sind im Büro fehl am Platz. Gleiches gilt für Vierbeiner mit starkem Jagdtrieb, die bei jeder Bewegung aufspringen. Das hat nichts mit „schlechter Erziehung“ zu tun – manchen Hunden liegt der Arbeitsalltag schlicht nicht. Wer kann es Ihnen verübeln.
Bürohund Schritt für Schritt eingewöhnen

Werfen Sie Ihren Vierbeiner nicht ins kalte Wasser. Ein Stufenplan macht den Einstieg in den gemeinsamen Alltag am Arbeitsplatz für beide Seiten stressfreier:
- Woche 1: Bringen Sie Ihre Fellnase für ein bis zwei Stunden mit ins Büro, am besten außerhalb der Stoßzeiten, wenn es ruhig ist.
- Woche 2: Verlängern Sie den Aufenthalt auf einen halben Arbeitstag. Planen Sie eine Gassirunde ein und belohnen Sie ruhiges Verhalten mit einem Leckerchen.
- Woche 3: Ihr Vierbeiner bleibt den ganzen Arbeitstag im Büro. Beobachten Sie genau, ob er sich zwischendurch entspannt oder dauerhaft unter Anspannung steht.
Zeigt Ihr Hund dabei Stresssignale wie häufiges Gähnen, Lefzen-Lecken oder Hecheln ohne körperliche Anstrengung, ist die Umgebung noch zu viel für ihn. Gehen Sie dann einen Schritt zurück und geben Sie ihm mehr Zeit.
Checkliste: Was braucht ein Hund im Büro?
Bevor Ihr Vierbeiner das erste Mal mit ins Unternehmen kommt, sollte die Grundausstattung stehen. Hier die wichtigsten Punkte auf einen Blick:
- Körbchen, Decke oder offene Transportbox als Rückzugsort – abseits des Durchgangs platziert
- Wassernapf mit frischem Wasser
- Geruchsarme Kausnacks für leise Beschäftigung zwischendurch
- Spielzeug, das nicht quietscht
- Kotbeutel und Küchenpapier für Missgeschicke
- Tierhaftpflichtversicherung (Nachweis für den Arbeitgeber)
- Schriftliche Vereinbarung mit dem Arbeitgeber über Regeln für den Bürohund
Klären Sie mit dem Team: Wenn Ihre treue Fellnase auf seinem Platz liegt, hat er Pause. Und bitten Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen, Ihrem Tier nur mit Ihrer Zustimmung kleine Leckerlis geben – so behalten Sie den Überblick über die Futtermenge und vermeiden Unverträglichkeiten.
Wie bleibt der Bürohund stubenrein und geruchsfrei?
Eine ungepflegte Fellnase kann im Großraumbüro schnell für Unmut sorgen. Regelmäßiges Bürsten reduziert lose Haare und hält das Fell frisch. Gerade während des Fellwechsels ist tägliches Bürsten ratsam, damit nicht das halbe Büro mit Hundehaaren überzogen wird. Tipp: Vor der Arbeit das Fell kurz durchbürsten, dauert drei Minuten und macht den Unterschied.
Auch die Zahnhygiene spielt eine Rolle: Hunde mit Zahnsteinproblemen riechen unangenehm aus dem Fang. Wer regelmäßig Kauknochen anbietet, unterstützt die natürliche Zahnpflege des Hundes und sorgt gleichzeitig für Entspannung, denn Kauen setzt Endorphine frei und wirkt beruhigend – wie ein natürliches Anti-Stress-Programm.
Kaugeweihe sind bürotauglich: Sie riechen kaum, krümeln nicht und beschäftigen über längere Zeit.
Wie sieht ein guter Arbeitstag mit Hund aus?
Ein konkretes Beispiel: Morgens um sieben geht es für eine halbe Stunde in den Park. Der Hund tobt sich aus, schnuppert, löst sich. Um halb neun im Büro angekommen, legt er sich zufrieden in sein Körbchen. Während Sie Mails bearbeiten, kaut er in Ruhe an einem Hundekauknochen. Gegen zwölf geht es mit zwei Kollegen auf eine Gassirunde durch den nahegelegenen Park – Bewegung für alle, netter Plausch inklusive. Nachmittags döst Ihr Vierbeiner, während Sie in einem Meeting sitzen. Nach Feierabend gibt es die Hauptmahlzeit.
Bieten Sie während der Arbeitszeit nur wenig Futter und Wasser an, um Verdauungsprobleme zu vermeiden. Zwischendurch reichen kurze Toilettengänge auf eine nahegelegene Grünfläche.
Achten Sie auf die Körpersprache Ihres Hundes: Häufiges Gähnen, Hecheln oder Unruhe deuten auf Stress hin. Reagieren Sie früh, bevor die Anspannung in Bellen oder Zerstörungsdrang umschlägt.

Vier Pfoten, die den Arbeitsalltag bereichern
Ein Hund im Büro ist kein Selbstläufer, aber mit guter Vorbereitung ein Gewinn für alle. Für Sie als Halter und Halterin, weil der schlechte Gewissens-Blick beim Verlassen der Wohnung entfällt. Für Ihr Team, weil gemeinsame Gassirunden und Streicheleinheiten den Zusammenhalt stärken. Und für Ihren Hund, weil er dort ist, wo er am liebsten sein möchte: bei Ihnen.
Sprechen Sie Ihre Geschäftsführung an, klären Sie die Regeln und geben Sie Ihrem Vierbeiner die Chance, das Büro genauso zu erobern wie Ihr Herz. Es muss ja nicht gleich die ganze Woche sein. Fangen Sie mit einem Tag an und schauen Sie, wie es läuft. Oft reicht ein einziger Probelauf, um auch die letzten Skeptiker zu überzeugen.
Häufige Fragen rund um den Bürohund
Habe ich einen Rechtsanspruch darauf, meinen Hund mit ins Büro zu nehmen?
Nein. Die Entscheidung liegt gemäß § 106 GewO beim Arbeitgeber. Er kann das Mitbringen von Hunden erlauben oder untersagen. Eine Ausnahme bilden Assistenzhunde, die für die Ausübung der Tätigkeit notwendig sind.
Was passiert, wenn mein Bürohund Firmeneigentum beschädigt?
Als Halter haften Sie für Schäden, die Ihr Hund verursacht – unabhängig von Ihrem eigenen Verschulden. Eine Tierhaftpflichtversicherung ist deshalb dringend empfehlenswert.
Was mache ich, wenn ein Kollege Angst vor Hunden hat?
Nehmen Sie solche Bedenken ernst. Richten Sie hundefreie Zonen ein und sorgen Sie dafür, dass Ihr Hund nicht unkontrolliert auf andere zugeht. Offene Kommunikation im Team ist hier das A und O.
Quellen:
(1) M. Nagasawa et al. (2015): Oxytocin-gaze positive loop an the coevolution of human-dog bonds, SCIENCE Vol 348, Issue 6232, abegrufen am 25.02.2026
(2) Nationwide/HABRI Study (2018): Workplace Wellness – Mental Health, abgerufen am 25.02.2026
(3) Tierschutzbund e.V. (2025): Flyer Aktionstag „Kollege Hund“
(4) Tierschutzbund e.V.: Richtlinien und Guidelines für Hunde im Büro
Hunde-Kausnacks Magazin

