Es ist elf Uhr vormittags, die Sonne scheint in feinen Strahlen ins Wohnzimmer und Ihr Vierbeiner rollt sich zum dritten Mal an diesem Morgen zusammen. Schläft er zu viel? Die Frage, wie viel Schlaf Hunde brauchen, stellt sich früher oder später fast jede Hundehalterin und jeder Hundehalter. Lesen Sie in unserem Ratgeber, wie lange Hunde schlafen und warum das Alter sowie die Aktivität dabei eine Rolle spielen.
Wie viel Schlaf brauchen Hunde? Die Stunden nach Lebensphase
Die Frage „Wie lange schlafen Hunde?“ lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Als Orientierung taugen diese Werte aber gut:
- Welpe: 16 bis 22 Stunden, je nach Alter
- Erwachsener Hund: 10 bis 14 Stunden, Ruhephasen bis zu 17 Stunden sind normal
- Senior: 16 bis 18 Stunden
Bei den Jüngsten lohnt der genauere Blick, denn der Bedarf sinkt in den ersten Monaten spürbar. In den ersten acht Lebenswochen, die ein Welpe meist noch bei der Mutter verbringt, sind es 20 bis 22 Stunden. Zwischen der neunten und zwölften Woche pendelt sich der Bedarf bei 18 bis 20 Stunden ein, zwischen dem dritten und sechsten Monat bei 16 bis 18 Stunden.
Neben dem Alter spielen Größe und Rasse Ihrer Fellnase für die Schlafdauer ebenfalls eine Rolle. Große Rassen ruhen meist etwas länger als kleine. Und Vierbeiner aus arbeitsfreudigen Rassen wie Border Collie, Australian Shepherd oder Malinois fahren abends schwerer herunter als ein gemütlicher Begleithund. Weniger Schlaf brauchen sie deswegen nicht, im Gegenteil.
Was der Tag gebracht hat, verändert nämlich die Schlafqualität. Eine ungarische Forschungsgruppe um Nóra Bunford hat per EEG gemessen, wie Familienhunde nach einem aktiven Tag schlafen: Sie dösen weniger und verbringen dafür mehr Zeit im Tiefschlaf und in der Traumphase. Eine Runde Agility am Nachmittag macht Ihren Liebling also nicht nur müde, sie verschiebt seinen Schlaf in die erholsameren Phasen.
Verstehen Sie die Zahlen deshalb als Korridor, nicht als Soll. Wie viel Schlaf Hunde brauchen, zeigt Ihnen Ihr eigenes Tier am zuverlässigsten. Liegt er entspannt und ist im Wachzustand aufmerksam und ansprechbar, stimmt die Bilanz.

Warum Hunde so viel schlafen und was dabei im Körper passiert
Schlaf ist für Ihren Vierbeiner keine verlorene Zeit, sondern Arbeit. Während er döst, laufen im Körper Prozesse, die im Wachzustand keinen Platz haben.
Das Immunsystem arbeitet auf Hochtouren, Muskeln und Gewebe regenerieren, und bei jungen Tieren werden Wachstumshormone ausgeschüttet. Deshalb schlafen Welpen so ausdauernd: Ihr Körper baut sich im Schlaf buchstäblich auf.
Auch das Stresshormon Cortisol wird in den Ruhephasen abgebaut. Ein Hund, der ständig unter Strom steht, kommt hier in einen Kreislauf: Er findet keine Ruhe, weil der Cortisolspiegel hoch ist, und der Pegel bleibt hoch, weil er keine Ruhe findet. Diesen Kreis zu durchbrechen, gelingt selten über mehr Bewegung, sondern über weniger Reize von Außen.
Mindestens so wichtig ist die Verarbeitung im Kopf. Was Ihre Fellnase tagsüber gelernt hat, festigt sich in der Ruhephase. Eine Budapester Forschungsgruppe um Anna Kis hat das 2017 per EEG sichtbar gemacht: Eine Übungseinheit verändert messbar das Schlafmuster, und wie ein Hund die Zeit danach verbringt, wirkt sich auf seine Leistung aus.
Dösen, Tiefschlaf, Traumphase: die 3 Ruhephasen
Hunde sind polyphasische Schläfer. Sie schlafen nicht am Stück, sondern verteilen ihren Schlaf auf viele kurze Einheiten über Tag und Nacht. Deshalb kommen die hohen Stundenzahlen überhaupt zustande.
Dösen macht den größten Teil aus. Die Augen sind geschlossen, es sieht nach Tiefschlaf aus, doch Ohren und Nase bleiben im Dienst. Das merken Sie spätestens, wenn Sie aufstehen und Ihr Vierbeiner sofort die Augen öffnet, hochschaut oder aufsteht und Ihnen folgt.
Tiefschlaf erkennen Sie an der Körperhaltung. Ihr Hund liegt ausgestreckt und locker auf der Seite, die Atmung wird gleichmäßig. In dieser Phase erholt sich der Körper am stärksten.
Traumphase (REM-Schlaf): Zuckende Pfoten, leises Fiepen oder ein gedämpftes Knurren gehören dazu und sind kein Grund zur Sorge. Vermutlich jagt Ihr tierischer Begleiter gerade einen Hasen.

Anzeichen für Schlafmangel beim Hund
Ein übermüdetes Tier wirkt selten müde. Meist zeigt sich das Gegenteil, ähnlich wie bei einem übermüdeten Kind:
- Der Vierbeiner dreht auf, statt zur Ruhe zu kommen
- Er reagiert gereizt, schnappt schneller oder bellt mehr als sonst
- Bekannte Kommandos sitzen plötzlich nicht mehr
- Er schreckt bei jedem Geräusch hoch, statt liegen zu bleiben
- Infekte häufen sich, weil das Immunsystem schwächelt
Halten diese Zeichen an, lohnt ein Blick auf den Alltag: Zu viele Reize, zu wenig Rückzugsmöglichkeiten oder ein unruhiger Schlafplatz sind die häufigsten Ursachen. Kommt starkes Hecheln in der Nacht dazu, gehört das gesondert abgeklärt. Die möglichen Gründe haben wir im Beitrag Hund hechelt nachts gesammelt.
Ruhe lernen: So unterstützen Sie den Schlafrhythmus Ihres Tieres
Familienhunde sind darauf trainiert, jederzeit ihrem Herrchen oder Frauchen zu folgen. Sie springen auf, sobald die Leine klimpert, auch wenn sie eigentlich müde sind. Manche vergessen das Ausruhen schlicht und müssen es wieder lernen. Ihre Aufgabe als Halter bzw. Halterin ist es, den Rahmen dafür zu setzen.
Ein gleichbleibender Tagesablauf hilft am meisten. Feste Zeiten für Futter, Spaziergang und Spiel geben dem Tier die Sicherheit, wann er sich entspannen darf. Sucht es von sich aus seinen Platz auf, bestätigen Sie das mit einem ruhigen Wort und einem kleinen Leckerchen.
Abends wirkt Kauen wie ein Schalter. Es setzt Endorphine frei, senkt die Anspannung und leitet die Nachtruhe ein. Ein Kauartikel auf der Decke bringt viele Tiere schneller herunter als jede Streicheleinheit. Für längere Beschäftigung eignen sich ein Kauknochen oder ein Kaugeweih, für die kürzere Variante ein getrocknetes Rinderohr.
Genauso hilfreich ist ein Blick auf die Reizmenge. Nicht jeder Tag braucht ein neues Abenteuer. Hundebegegnung, Stadtbummel, Besuch und Training am selben Nachmittag summieren sich, und was tagsüber nicht verarbeitet wird, hält abends wach. Ein ruhiger Tag zwischendurch ist kein verschenkter Tag.
Der richtige Schlafplatz für den Hund
Der beste Rhythmus nützt wenig, wenn der Platz nicht stimmt. Drei Dinge sind dabei ausschlaggebend:
- Die Lage: Suchen Sie eine ruhige Ecke ohne Durchgangsverkehr, in der niemand über Ihren Vierbeiner steigt.
- Die Temperatur: weder im Zug noch direkt an der Heizung.
- Die Größe: Hunde rollen sich gern ein, strecken sich aber ebenso gern lang aus. Der Platz muss beides zulassen.
Beim Untergrund lohnt sich mit den Jahren ein Wechsel. Jungtiere legen sich überall hin, Seniorhunde mit steifen Gelenken brauchen eine weichere, gut gepolsterte Unterlage. Zu weich sollte sie allerdings nicht sein, sonst fällt das Aufstehen schwer.

Bleibt die Frage, die sich fast jede Halterin und jeder Halter irgendwann stellt: Darf der Hund mit ins Bett? Dafür spricht einiges, dagegen ebenfalls. Wir haben Hygiene, Studienlage und die Fälle, in denen es besser nicht sein sollte, im Beitrag Hund im Bett zusammengetragen.
Ein ausgeschlafener Hund ist ein ausgeglichener Hund
12, 16 oder 20 Stunden Ruhe klingen nach viel, sind für Ihren Vierbeiner aber schlicht normal. Beobachten Sie ihn ein paar Tage lang: Wann legt er sich hin, wann wird er unruhig, wo liegt er am liebsten? Diese Beobachtung sagt Ihnen mehr als jede Tabelle. Und wenn Ihr tierischer Begleiter abends zufrieden auf seine Decke sinkt, während nebenan der Fernseher läuft, haben Sie alles richtig gemacht.
Häufige Fragen zum Schlafbedarf von Hunden
Stört Lärm im Haushalt den Schlaf meines Hundes?
Gleichmäßige Alltagsgeräusche wie Spülmaschine oder Gespräche stören die wenigsten Tiere, viele schlafen sogar besser damit. Kritisch sind plötzliche und wechselnde Geräusche: Türklingeln, Staubsauger oder Kinderbesuch. Wenn sich solche Phasen häufen, hilft ein zweiter Rückzugsort in einem ruhigeren Raum.
Soll ich meinen Hund wecken, wenn er im Schlaf zuckt oder fiept?
Besser nicht. Ihr Vierbeiner steckt dann in der Traumphase, der sogenannten REM-Schlafphase, und würde beim Wecken desorientiert oder erschrocken reagieren. Nur wenn die Bewegungen sehr heftig sind, lange anhalten oder Ihre Fellnase sich danach kaum beruhigt, sollten Sie das tierärztlich abklären lassen.
Was tun, wenn mein Hund nachts wach wird?
Zuerst die Ursache klären: Muss er raus, ist ihm zu warm, hat sich etwas im Tagesablauf verändert? Erwachsene Tiere, die plötzlich nachts aufstehen, haben fast immer einen Auslöser. Die häufigsten Gründe und was dagegen hilft, lesen Sie unter Hund wird nachts wach.
Wann ist viel Schlafen ein Warnsignal?
Auffällig wird es, wenn sich das Verhalten ändert: Ihr Hund schläft deutlich mehr als sonst, mag nicht mehr raus, zieht sich zurück oder reagiert kaum noch auf Ansprache. Bei älteren Tieren kann auch ein gekippter Tag-Nacht-Rhythmus dahinterstecken, also nächtliches Umherwandern bei gleichzeitiger Trägheit am Tag. Woran Sie den Unterschied zwischen Erschöpfung und Erkrankung erkennen, beschreiben wir unter Hund ist lustlos und müde.
Hunde-Kausnacks Magazin

