Zweimal im Jahr verwandelt sich das Wohnzimmer vieler Hundehalter in ein Meer aus Haaren – der Fellwechsel beim Hund steht an. Doch wie lange dauert dieser Prozess, und wann genau beginnt er? Noch wichtiger: Wie unterscheiden sich ein natürlicher Fellwechsel von krankhaftem Haarausfall? Wir klären die wichtigsten Fragen rund um das Thema und zeigen, wie Sie Ihren Vierbeiner in dieser Zeit optimal unterstützen.
Was löst den Fellwechsel beim Hund aus?
Der Fellwechsel ist keine Laune der Natur, sondern ein hormonell gesteuerter Prozess. Hauptauslöser ist die Tageslichtlänge. Spezielle Photorezeptoren in der Netzhaut des Hundes registrieren, wie viele Stunden am Tag es hell ist. Diese Information wird an die Zirbeldrüse im Gehirn weitergeleitet. Sie schüttet daraufhin das Hormon Melatonin aus – auch bekannt als das „Schlafhormon“–, davon haben Sie sicherlich schon gehört.
Die Konzentration an Melatonin im Blut beeinflusst gezielt die vielen kleinen Haarfollikel, die wiederum ein Signal zum Fellwechsel einleiten.
In den Jahreszeiten sieht es dann wie folgt aus: Bei kürzeren Tagen im Herbst steigt der Melatoninspiegel – das signalisiert dem Körper, das wärmende Winterfell zu bilden. Im Frühjahr sinkt der Melatoninspiegel durch die längeren Tage, und der Hund stößt sein dichtes Winterfell ab.

Weitere Einflussfaktoren auf den Haarzyklus können zudem die Schilddrüsenhormone wie Thyroxin und Geschlechtshormone wie Östrogen und Testosteron.
Die Temperatur spielt eine untergeordnete Rolle. Deshalb haaren Hunde, die überwiegend in beheizten Wohnungen leben und künstlichem Licht ausgesetzt sind, oft ganzjährig. Ihr Körper kann die saisonalen Lichtsignale nicht mehr eindeutig zuordnen. Regelmäßige Spaziergänge bei natürlichem Tageslicht helfen, den hormonellen Rhythmus aufrechtzuerhalten.
Wann findet der Fellwechsel beim Hund statt?
Wie Sie bereits wissen, folgt der Fellwechsel beim Hund einem saisonalen Rhythmus, der sich an der Tageslichtlänge orientiert. Der Haarzyklus gliedert sich in drei Phasen:
- die Wachstumsphase (Anagen)
- die Übergangsphase (Katagen) und
- die Ruhephase (Telogen).
Während des Fellwechsels treten viele Haarfollikel gleichzeitig in die Ruhephase ein – das Haar löst sich und fällt aus.
Fellwechsel im Frühjahr: Die intensive Phase
Im Frühling zwischen März und Mai erreicht das Haaren seinen Höhepunkt. Die dichte Unterwolle, die im Winter als Isolierschicht diente, wird abgestoßen. Diese feinen, welligen Haare sitzen zwischen den festeren Deckhaaren und speichern Luft zur Wärmeisolation.
Besonders Rassen mit ausgeprägter Unterwolle wie Huskys, Malamutes, Collies oder Deutsche Schäferhunde produzieren in dieser Zeit erstaunliche Mengen loser Haare. Tägliches Bürsten ist jetzt Pflicht.

Fellwechsel im Herbst: Vorbereitung auf den Winter
Im Herbst meist zwischen September bis November tauschen Hunde ihr leichtes Sommerfell gegen das wärmende Winterkleid. Der steigende Melatoninspiegel regt die Haarfollikel an, dichtere Unterwolle zu produzieren. Das neue Fell ist voluminöser und bietet besseren Schutz gegen Kälte und Nässe.
Diese Phase verläuft meist unauffälliger als im Frühjahr, da weniger Unterwolle abgestoßen wird – stattdessen wächst neue hinzu.
Wie lange dauert der Fellwechsel beim Hund?
Die Dauer des Fellwechsels variiert je nach Rasse, Alter, Hormonstatus und Gesundheitszustand. Im Durchschnitt dauert der komplette Fellwechsel etwa sechs bis acht Wochen.
Der individuelle Haarzyklus – vom Beginn der Wachstumsphase bis zum Ausfall in der Ruhephase – beträgt beim Hund je nach Körperregion zwischen sechs Wochen und mehreren Monaten.
- Nordische Rassen wie Siberian Huskys, Samojeden oder Alaskan Malamutes sowie Deutsche Schäferhunde mit ihrer doppelten Fellschicht brauchen oft länger und haaren intensiver.
- Kurzhaarrassen wie Boxer, Dalmatiner oder Beagle sind schneller durch – dafür haaren sie das ganze Jahr über gleichmäßiger, da ihre Haarzyklen weniger synchronisiert ablaufen.
- Rassen mit kontinuierlich wachsendem Fell wie Pudel, Malteser oder Yorkshire Terrier verlieren kaum Haare, da ihre Haare länger in der Anagenphase verbleiben – sie müssen dafür regelmäßig geschoren werden.
Der erste Fellwechsel bei Welpen
Welpen kommen mit einem weichen, flauschigen Welpenfell zur Welt, das sich strukturell vom Erwachsenenfell unterscheidet. Es besteht fast ausschließlich aus feinen, gleichmäßigen Haaren ohne ausgeprägte Unterwolle. Zwischen dem vierten und sechsten Lebensmonat – manchmal auch später – beginnt der erste große Fellwechsel: Das Welpenfell weicht dem erwachsenen Haarkleid mit differenzierten Deck- und Unterhaaren.

Diese Umstellung kann sich je nach Rasse über mehrere Monate hinziehen und ist oft intensiver als die späteren saisonalen Wechsel.
Die Fellstruktur verändert sich deutlich: Bei vielen Rassen wird das Fell dichter, bei manchen auch drahtiger. Auch Farbveränderungen sind möglich: Dalmatiner-Welpen etwa werden fleckiger, während manche Golden Retriever nachdunkeln.
Gewöhnen Sie Ihren Welpen früh ans Bürsten. Wer das Ritual von Anfang an positiv verknüpft – etwa mit einem Leckerli danach – hat später keine Probleme mit der Fellpflege.
Den Hund beim Fellwechsel richtig bürsten
Regelmäßiges Bürsten ist während des Fellwechsels das A und O. Es entfernt abgestorbene Haare, bevor sie in der Wohnung verteilt werden, und fördert gleichzeitig die Durchblutung der Haut. Das stimuliert die Haarfollikel, unterstützt den Neuwuchs und sorgt für ein glänzendes, gesundes Fell.
Die richtige Bürste für jeden Felltyp
Für Hunde mit dichter Unterwolle eignet sich eine spezielle Unterwollbürste oder ein Furminator. Diese Werkzeuge haben eng stehende Zinken, die tief ins Fell greifen und die abgestorbene Unterwolle lösen, ohne das Deckhaar zu beschädigen.
Kurzhaarige Hunde kommen mit einer weichen Naturhaarbürste oder einem Gummistriegel aus – er massiert die Haut und entfernt lose Haare schonend. Langhaarige Rassen profitieren von einem grobzinkigen Metallkamm, der Verfilzungen löst, bevor sie zu Knoten werden.

Die optimale Bürsten-Routine
Bürsten Sie immer in Wuchsrichtung des Fells und arbeiten Sie sich systematisch vom Kopf über Rücken und Flanken bis zur Rute vor. Vergessen Sie nicht die Problemzonen: Hinter den Ohren, in den Achseln und an den Hinterläufen verfilzt das Fell besonders leicht.
Während des Fellwechsels empfiehlt sich tägliches Bürsten – oder zumindest jeden zweiten Tag. Außerhalb der Saison reichen je nach Rasse ein bis zwei Pflegeeinheiten pro Woche.
Wie lässt sich der Fellwechsel beim Hund unterstützen?
Stumpfes, glanzloses Fell trotz Fellwechsel-Zeit? Dann lohnt sich der Blick in den Futternapf. Die Hundeernährung spielt eine Schlüsselrolle für gesundes Fell und einen reibungslosen Fellwechsel. Minderwertiges Futter mit hohem Getreideanteil, wenig hochwertigem Protein und künstlichen Zusätzen liefert nicht genug Nährstoffe für ein gesundes Haarkleid.
Diese Nährstoffe sollten Sie bei der Ernährung ihres Hundes im Blick behalten:
1. Hochwertiges Protein
Eiweiß liefert die essenziellen Aminosäuren, insbesondere Methionin und Cystein, für die Keratinsynthese. Keratin ist das Strukturprotein, aus dem Hundehaare zu über 90 Prozent bestehen. Fleisch sollte daher den Hauptanteil – etwa 60 Prozent – der Ernährung ausmachen.
Naturbelassene Kauartikel sind eine sinnvolle Ergänzung: Sie bestehen aus schonend getrocknetem Fleisch oder Innereien und liefern konzentriert Proteine, Mineralstoffe und Spurenelemente.

2. Omega-3
Die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA sind echte Fellbooster. Sie werden in die Lipidschicht der Haut eingebaut, verbessern die Hautbarriere und sorgen für Glanz und Geschmeidigkeit. Zusätzlich wirken sie entzündungshemmend und können Hautirritationen lindern. Natürliche Quellen sind fetter Seefisch (z. B. Lachs, Makrele, Hering) oder hochwertige Öle wie Lachsöl oder Algenöl. Auch Kauartikel vom Fisch können eine Unterstützung beim Fellwechsel sein.
3. Zink und Biotin
Das Spurenelement Zink ist essenziell für die Zellteilung in den Haarfollikeln und die Keratinproduktion. Ein Mangel zeigt sich oft zuerst an stumpfem Fell und schlechter Wundheilung.
Biotin – auch als das sogenannte „Haar-Vitamin“ bekannt – ist ein Coenzym im Fettsäure- und Aminosäurestoffwechsel und unterstützt ebenfalls das Haarwachstum.
Beide Nährstoffe finden sich in ausreichender Menge in einer ausgewogenen Ernährung mit Fleisch, Innereien und Eigelb. Auch Kausnacks vom Rind oder getrocknete Leber sind wertvolle Nährstofflieferanten. Leber enthält besonders viel Biotin, Zink und Vitamin A, das für die Hauterneuerung wichtig ist.

Fellwechsel oder krankhafter Haarausfall?
Nicht jeder Haarverlust ist harmlos. Der natürliche Fellwechsel Hund zeigt sich durch gleichmäßiges Haaren am ganzen Körper – ohne kahle Stellen (Alopezie), ohne Juckreiz, ohne Hautveränderungen. Das Fell wächst kontinuierlich nach, und der Hund verhält sich normal. Krankhafter Haarausfall hingegen zeigt deutliche Warnsignale.
Fellwechsel vs. Haarausfall – Unterschiede erkennen
| Natürlicher Fellwechsel | Krankhafter Haarausfall (Alopezie) |
| Tritt saisonal im Frühjahr und Herbst auf | Kann jederzeit unabhängig von der Jahreszeit auftreten |
| Gleichmäßiges Haaren am gesamten Körper | Lokalisierte kahle Stellen, oft kreisrund oder fleckig |
| Haut intakt, keine Veränderungen sichtbar | Rötungen, Schuppen, Krusten oder Pusteln |
| Kein oder minimaler Juckreiz | Starker Pruritus, häufiges Kratzen und Beißen |
| Neues Fell wächst kontinuierlich nach | Kahle Stellen persistieren ohne Behandlung |
| Hund zeigt normales Verhalten | Vermehrtes Lecken, Knabbern, Unruhe oder Apathie |
| Dauert etwa 6–8 Wochen, dann Normalisierung | Hält ohne tierärztliche Behandlung an oder verschlechtert sich |
Mögliche Ursachen für pathologischen Haarverlust sind vielfältig:
- psychogener Stress durch Veränderungen wie Umzug oder Familienzuwachs
- hormonelle Dysbalancen (Hypothyreose, Hyperadrenokortizismus/Cushing-Syndrom, Sexualhormon-Dysbalancen nach Kastration)
- Futtermittelallergien oder Nährstoffdefizite
- Parasitenbefall wie Milben oder Hautpilze können dahinterstecken.

Haarausfall durch Futtermittelallergie
Futtermittelallergien zählen zu den häufigsten Ursachen für Fellprobleme außerhalb des normalen Fellwechsels. Bei einer echten Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf bestimmte Proteine im Futter.
Häufige Auslöser sind Rindfleisch, Huhn, Weizen, Soja und Milchprodukte.
Die Symptome:
- Juckreiz besonders an Ohren, Pfoten und Achseln
- Hautrötungen
- Ohrenentzündungen
- stumpfes Fell
- vermehrter Haarausfall.
Bei Verdacht auf eine Allergie hilft eine Eliminationsdiät über mindestens acht Wochen. Lassen Sie sich dabei von einer tierischen Fachkraft ihres Vertrauens beraten.
Wann sollten Sie mit dem Haarausfall zum Tierarzt?
Ein Tierarztbesuch ist ratsam, wenn kahle Stellen auftreten. Kreisrunde Kahlstellen können auf eine Dermatophytose hindeuten, eine Pilzinfektion, die hochansteckend ist und schnell behandelt werden muss.
Auch bei anhaltendem Juckreiz, Hautveränderungen wie Schuppen, Krusten oder Pusteln, oder wenn der Haarausfall trotz optimaler Ernährung und Pflege nicht nachlässt, sollten Sie professionellen Rat einholen.
Der Tierarzt oder die Tierärztin kann durch verschiedene Diagnoseverfahren die Ursache eingrenzen: Hautgeschabsel zum Nachweis von Milben, mikroskopische Haaranalyse, Pilzkultur, Blutuntersuchungen zur Überprüfung von Schilddrüsen- und Nebennierenfunktion oder Allergietests.
Je früher Sie handeln, desto schneller kann eine gezielte Therapie eingeleitet werden und das Fell Ihres Vierbeiners erholt sich.
Hunde-Kausnacks Magazin