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Bedenklicher Trend: überzüchtete Hunde

« Qualzucht für falsch verstandene Schönheitsideale »

Vermeintliche Schönheitsideale machen auch nicht vor unseren vierbeinigen Freunden halt – und das ist nicht immer positiv zu verstehen. In den letzten 100 Jahren wurden bestimmte Hunderassen dermaßen überzüchtet, dass sie massive gesundheitliche Probleme haben. Welche Rassehunde besonders betroffen sind und welche Auswirkungen die Qualzucht auf sie hat, erfahren Sie hier.

Viele Rassehunde sind überzüchtet

Der Hund gilt nicht nur als der beste Freund des Menschen, sondern ist zugleich auch das beliebteste Haustier. Bei der Wahl des tierischen Begleiters spielt für viele zukünftige Hundehalter natürlich auch das Aussehen eine bedeutende Rolle. Hier kommen die Rassehunde zum Einsatz, denn bei diesen Tieren ist das Aussehen durch die Zucht quasi vorprogrammiert. Allerdings handelt es sich bei vielen dieser beliebten Rassen um überzüchtete Hunde. Denn eine Vielzahl der markanten, rassetypischen „Schönheitsmerkmale“, wie beispielsweise der schräge Rücken des Schäferhundes, sind das Ergebnis von jahrelanger Überzüchtung. Auch vermeintlich süße Geräusche bei manchen Hunderassen wie das Schnaufen des Mopses, sind Ergebnisse dieser Praktiken.

Viele Rassehunde sind ueberzuechtet
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Wer die Schuld an der Qualzucht trägt, wird häufig diskutiert. Fakt ist jedoch, dass sie zum Großteil aufgrund ästhetischer und wirtschaftlicher Gründe so durchgeführt wird. Denn die Nachfrage nach „Designerhunden“ wirkt sich natürlich auf das Angebot. Nicht zu vergessen sind die Zuchtorganisationen, welche die Rassestandards für die etwaigen Hunde festlegen und somit ebenfalls einen Beitrag zur Qualzucht leisten. Denn die rassetypischen Schönheitsideale werden immer extremer, weshalb sich die Körperteile und Organe der Vierbeiner durch jahrelange Zucht massiv verändert haben.

Überzüchtete Tiere entsprechen dann zwar dem „Schönheitsideal“, allerdings zulasten ihrer Gesundheit. Denn nicht selten leiden betroffene Rassen an gesundheitlichen Problemen.

Schnaufmaschinen: Brachycephale Hunderassen

Überzüchtete Hunde können etliche Merkmale aufweisen. Brachycephale Rassehunde haben etwa in der Regel eine angezüchtete Rund- bzw. Kurzköpfigkeit und eine kurze abgeflachte Schnauze. Um dieses flache Gesicht zu erreichen, wurde die Nase (bis auf einen kleinen Rest) diesen Rassen über jahrelange Zucht weggezüchtet. Die gesundheitlichen Folgen sind fatal: Denn Mops, französische und englische Bulldogge oder Boxer leiden aufgrund dessen häufig an Atembeschwerden und somit an Sauerstoffmangel. Hinzu kommt, dass die Nasenhöhle sowie die Schleimhäute verkleinert sind und dadurch die Temperaturregulation beeinträchtigt wird.

Boxer
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Insbesondere bei Anstrengung oder an heißen Tagen kann dies zu einem Kollaps und im schlimmsten Fall zum Tod durch Überhitzung führen. Der rundliche Kopf resultiert zudem in einer Deformation des Kiefers und Gebisses. Denn nicht selten leiden überzüchtete Hunde an einer Oberkieferverkürzung, wodurch ihnen die Nahrungsaufnahme sowie die Körperpflege erschwert werden. Wenn ein Mops so schnarrend schnauft, wird das also völlig zu Unrecht als niedlich angesehen. Aber bei vielen Menschen wirkt hier das sogenannte Kindchenschema.

Übergroße Rassen: Hüftprobleme inklusive

Große Hunderassen wie beispielsweise Deutsche Schäferhunde, Bernhardiner, Rottweiler und Doggen, leiden oftmals an massiven Hüftproblemen. Insbesondere die sogenannte Hüftgelenkdysplasie (HD) tritt häufig auf. Hierbei handelt es sich um eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks, welche enorme Schmerzen verursacht und die Bewegung erheblich einschränkt.

Schaeferhund
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Vor allem der Deutsche Schäferhund ist von diesem Krankheitsbild sehr häufig betroffen. Dies liegt zum Großteil an seinem abfallenden Rücken. In den letzten 100 Jahren wurde diese Rasse so gezüchtet, dass der Widerrist möglichst hoch ist und der Rücken so stark wie möglich abfällt.

Zwergenwuchs: Besonders kleine Hunderasse

Die auch als „Handtaschenhunde“ bekannten Vierbeiner sind ebenfalls ein Resultat der jahrelangen Überzüchtung.

Wenngleich die Minihunde niedlich aussehen mögen, bringt ihre unnatürliche Statur ebenfalls gesundheitliche Probleme mit sich.

Chihuahuas wiederfuhr das unglückliche Los, dass sie von gewissen Promis als Modehunde etabliert wurden und es gibt nur wenige andere Rassen, bei denen sich eine solche von angeblichen Schönheitsidealen fehlgeleitete Zucht niederschlägt. Die Tiere leiden oftmals an der sogenannten Fontanelle. Hierbei handelt es sich um eine Missbildung des Schädels, bei der das Schädeldach nicht völlig geschlossen und somit ein Loch im Kopf ist. Dadurch ist ihr Gehirn nicht vollends geschützt, wodurch bereits ein Sturz lebensgefährlich sein könnte.

Dackel und Chihuahua
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Zu den überzüchteten Rassen mit Ministatur zählen auch die Dackel, welche durch die Qualzucht eine unnatürliche Verkürzung der Beine erlangt haben. Viele Dackel leiden deswegen ziemlich früh an Bandscheibenvorfällen, welche auch als Dackellähme bekannt sind.

Weitere Erscheinungsbilder von überzüchteten Hunden

Viele überzüchtete Hunderassen werden auf bestimmte äußerliche Merkmale hin gezüchtet – zum Teil so sehr, dass jegliche natürliche Erscheinung abhandenkommt. Ein gutes Beispiel ist hierfür der Shar Pei, dessen markantes Merkmal seine Falten sind. Allerdings stellen die Falten – wenn sie besonders ausgeprägt sind – gleichzeitig ein Gesundheitsrisiko dar, denn diese erhöhen sowohl das Aufkommen von Pilzinfektionen sowie entzündlichen Hautreaktionen und führen zu Reizungen der Hornhaut.

Shar-Pei
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Hinzu kommt, dass diese Tiere aufgrund der massiven Faltenbildung oftmals in ihrer mimischen Kommunikation eingeschränkt sind. Einige überzüchtete Hunde haben hingegen große, herabhängende Ohren, wie beispielsweise der Bluthund oder der Cocker Spaniel. Bei diesen Tieren ist das Risiko einer Ohrenentzündung und eines Blutohres (Othämatom) wesentlich erhöht.

Bluthund
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Rassespezifisches Futter und Kauartikel für überzüchtete Hunde

Besonders kleine sowie brachyzephale Rassen neigen relativ häufig zu Übergewicht, weshalb unbedingt auf die Energiemenge des Futters zu achten ist. Vierbeiner, welche dem Zwergenwuchs angehören, können zudem Cerealien nur schlecht verwerten. Daher ist es ratsam, diese möglichst getreidefrei zu füttern. Hinzu kommt, dass die Zahngesundheit dieser Tiere oftmals zuchtbedingt beeinträchtigt ist. Allerdings können Sie die Zahngesundheit fördern, indem Sie Ihrem tierischen Freund knackige Hundekauartikel füttern.

Hierbei ist jedoch darauf zu achten, dass die Kausnacks möglichst kalorienarm und von der gesamten Futtermenge abgezogen werden.

Überzüchtete Hunderassen, die an Gelenkproblemen leiden, profitieren von Futter, welches die Knochen und die Gelenke stärkt. Dieses zeichnet sich durch die wertvollen Omega-3-Fettsäuren aus, welche sich beispielsweise in Kauartikel vom Fisch befinden und entzündungshemmend sowie schmerzlindernd auf die Gelenke wirken. Möpse und Shar Peis profitieren ebenfalls von diesen Fettsäuren, da sie zugleich die Nährstoffversorgung der Haut fördern.

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Boxer, Dackel, Möpse und Deutsche Schäferhunde gelten beispielsweise als Rassen, die anfällig für Futtermittelallergien sind. Sollten Unverträglichkeiten auftreten, dann bieten sich hypoallergene Hundesnacks an – etwa vom Hirsch oder Schaf. Aber auch Kausnacks aus Pferdefleisch sind zu empfehlen.

Pferdefleisch-Filetstreifen Pferdefleisch-Kausticks

Qualzucht nicht unterstützen: Tipps für den Kauf eines Rassehundes

Wer sich für einen Rassehund entscheidet, sollte diesen unbedingt von einem anerkannten und seriösen Züchter holen. In Deutschland ist hierfür der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) die ideale Anlaufstelle. Denn dieser betreut eine Vielzahl an Zuchtvereinen, welche über 240 verschiedene Hunderassen züchten. Diese Zuchtvereine sind in einer Datenbank zusammengefasst und unterliegen strengen Vorlagen sowie Kontrollen. Wer einen Hund bei einem dieser Züchter kauft, erhält zudem die entsprechenden und vor allem anerkannten Papiere. Die Ahnentafel, welche auch Abstammungsurkunde genannt wird, gibt Aufschluss über den Stammbaum des Tieres. Dadurch ist es wiederum möglich, vererbbare Krankheiten zu erkennen.

Golden Retriever mit Welpen
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Natürlich gibt es auch Züchter, welche keinem Verband angehören – denn im Grunde genommen kann jede Privatperson Hunde züchten. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten: Denn oftmals sind weder die Elterntiere noch die Zuchtbedingungen bekannt – die Gefahr, dass hier überzüchtete Hunde angeboten werden, ist recht hoch.

Keinesfalls sollten Sie Ihr künftiges Haustier über das Internet oder gar von sogenannten Kofferraumhändlern erwerben.

Gerade bei letzterem erfolgt die Zucht nicht selten unter miserablen Bedingungen. Eine weitere Möglichkeit ist es natürlich, ein Haustier aus dem Tierheim zu kaufen. Dort warten viele in Stich gelassene Fellnasen – auch Mischlinge – auf ein neues liebevolles Herrchen.