Kausnacks und Hundefutter ohne Zusatzstoffe – worauf Sie achten sollten

Die Zutatenliste auf der Rückseite von Verpackungen ist klein gedruckt und für Verbraucher und Verbraucherinnen oftmals ein kleiner Buchstaben-Salat. Dabei steht dort schwarz auf weiß, was täglich im Napf Ihres Vierbeiners landet. Im Ratgeber erfahren Sie, welche Zusätze harmlos sind und welche Sie besser meiden sollten – so greifen Sie beim nächsten Kauf auch wirklich zu Hundefutter ohne Zusatzstoffe.

Zusatzstoffe im Hundefutter: diese vier Gruppen sollten Sie kennen

Zusatzstoffe, in der Fachsprache Additive, sind alles, was zusätzlich zu den eigentlichen Zutaten ins Hundefutter oder in den Kausnack wandert. Schlecht sind längst nicht alle. Das EU-Recht sortiert sie in fünf Gruppen. Vier davon begegnen Ihnen im Napf, die fünfte betrifft nur Nutztiere.

Gruppe Aufgabe Typische Vertreter
Technologische Zusatzstoffe Haltbarkeit verlängern, Konsistenz stabilisieren Sorbinsäure (E 200), Essigsäure (E 260), Milchsäure (E 270), Verdickungs- und Geliermittel wie Carrageen
Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe Nährstoffbedarf decken Vitamine, Spurenelemente, Aminosäuren, Fettsäuren
Zootechnische Zusatzstoffe Verdauung und Wohlbefinden unterstützen Enzyme, Mikroorganismen, Darmflorastabilisatoren
Sensorische Zusatzstoffe Aussehen und Geschmack verändern Farbstoffe, Aromastoffe, Geschmacksverstärker

Die ersten drei Gruppen erfüllen meist einen nachvollziehbaren Zweck. Bei der vierten lohnt sich das genaue Hinsehen, denn sensorische Zusätze nützen in erster Linie dem Produkt, nicht dem Hund.

Aber warum überhaupt Zusatzstoffe? Industriell hergestelltes Hundefutter soll monatelang halten, im Regal appetitlich aussehen und in jeder Packung gleich schmecken. Additive erledigen das schnell und günstig. Hundefutter ohne Zusatzstoffe kommt am selben Ziel an, nur eben über gute Rohstoffe, schonende Verfahren und kurze Wege.

Unbedenklich oder bedenklich? Zusatzstoffe im Überblick

Pauschal lässt sich kein Additiv verurteilen. Drei Stoffgruppen tauchen in der Kritik allerdings immer wieder auf, und bei allen dreien gilt: Hochwertige Produkte kommen ohne sie aus.

Eines vorweg, damit kein falscher Eindruck entsteht: Bei einem Alleinfutter, also klassisches Nass- und Trockenfutter, geht es ganz ohne Zusatzstoffe nicht. Beim Erhitzen gehen Vitamine und Spurenelemente verloren, danach kommen sie wieder hinein. Sonst drohen Mangelerscheinungen.

Ist von Hundefutter ohne Zusatzstoffe die Rede, sind deshalb fast immer die sensorischen Zusätze gemeint: Farbe, Aroma, Geschmack.

Hund schaut auf Napf mit getrocknetes Hundefutter ohne Zusatzstoffe
© Milan – stock.adobe.com

Farb- und Aromastoffe im Hundefutter

Farbstoffe im Hundefutter erfreuen ausschließlich das menschliche Auge. In Ratgebern tauchen immer wieder die roten Farbstoffe Amaranth (E 123) und Erythrosin (E 127) auf, denen Unverträglichkeiten nachgesagt werden. Studien an Hunden gibt es dazu allerdings keine, die Bedenken stammen aus der Humanforschung. Nachschlagen lässt sich der Zulassungsstatus in der Liste des Bundesamts für Verbraucherschutz.

Anders sieht es bei Aromastoffen und Geschmacksverstärkern aus. Glutamat, Hefeextrakt, Leberspray oder Phosphorsäure übertünchen den Eigengeschmack schwacher Zutaten. Sie machen Produkte schmackhaft, die ein Hund sonst stehen lassen würde.

Das eigentliche Problem ist nicht der einzelne Stoff, sondern die Gewöhnung daran. Nach Jahren mit intensiven Reizen rümpfen viele Vierbeiner die Nase, wenn plötzlich etwas Naturbelassenes im Napf liegt. Der Umstieg klappt dann nur langsam, indem Sie die neue Sorte anfangs untermischen.

Ein Produkt ohne Farb- und Aromastoffe muss über seine Zutaten überzeugen. Bei getrocknetem Fleisch übernimmt das der Eigengeschmack, der beim Trocknen durch den Wasserentzug sogar intensiver wird.

Synthetische Antioxidantien als Konservierungsstoffe

Fette und Öle werden  von Natur aus mit der Zeit ranzig. Antioxidantien können es auf natürliche Weise verhindern. Bei Hundefutter ohne Konservierungsstoffe geht es deshalb nicht darum, ob konserviert wird, sondern womit. Synthetische Stoffe wie Butylhydroxyanisol (E 320) und Butylhydroxytoluol (E 321) stehen seit Jahren in der Kritik.

Die besseren Antioxidantien sind stattdessen:

  • Vitamin E, auf dem Etikett Tocopherole genannt
  • Vitamin C, das dort als Ascorbinsäure (E 300) auftaucht.
Mehr zu dieser Stoffgruppe lesen Sie in unserem Beitrag über Konservierungsmittel und Farbstoffe.

Gelier- und Verdickungsmittel im Futter

Auch viele Gelier- und Verdickungsmittel können die Hundegesundheit stark beeinträchtigen. So wird beispielsweise vermutet, dass der chemische Zusatzstoff Carrageen (E 407) bei übermäßigem Konsum krebserregend ist und die Aufnahme von wichtigen Mineralien blockiert.

Süßungsmittel und versteckter Zucker in Kausnacks

Zucker ist für Hunde ungesund und hat im Futternapf nichts verloren. Er fördert Zahnbelag und Übergewicht und liefert nichts, was ein Hund braucht. Auf der Zutatenliste steht das Wort allerdings selten. Stattdessen finden Sie eine seiner Tarnungen:

  • Glukose
  • Melasse
  • Maltose
  • Saccharose
  • Dextrose
  • Glukosesirup
  • Invertzuckersirup oder
  • Malzextrakt.

Naturbelassene Kausnacks und Kauartikel brauchen davon nichts, weil getrocknetes Fleisch von sich aus intensiv schmeckt.

naturbelassen ohne Zusatzstoffe: Rehfleisch-Rolls Hundeleckerchen

Ethoxyquin & Co – wie streng die EU Futtermittelzusatzstoffe prüft

Die gute Nachricht zuerst: Hersteller dürfen nicht hineinmischen, was ihnen gefällt. Jeder Zusatzstoff braucht eine Zulassung, geregelt in der Verordnung (EG) Nr. 1831/2003. Zwei Bedingungen muss er erfüllen. Er muss nachweislich etwas bringen und gesundheitlich unbedenklich sein. Geprüft wird beides von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, und das zieht sich oft über Jahre.

Dass dieses Verfahren keine Formsache ist, zeigt der Fall Ethoxyquin. Das künstliche Antioxidans lief jahrzehntelang unter der Nummer E 324 mit. Dann reichten die vorgelegten Daten für eine Sicherheitsbewertung nicht mehr aus. 2017 setzte die EU-Kommission die Zulassung aus, 2022 verweigerte sie sie endgültig. Seitdem darf Ethoxyquin in der EU nicht mehr ins Futter. Ältere Ratgeberlisten lesen Sie also besser mit Vorsicht, dort stehen oft Stoffe, die es längst nicht mehr gibt.

Für den Einkauf folgt daraus zweierlei. Zugelassen heißt geprüft, nicht automatisch sinnvoll: Ein Farbstoff darf im Hundefutter stehen, obwohl er dem Hund nichts bringt. Und was heute erlaubt ist, kann morgen kippen, sobald neue Daten auf dem Tisch liegen. Bei einer kurzen Zutatenliste müssen Sie solche Entwicklungen gar nicht erst verfolgen.

Was auf die Packung muss, regelt eine zweite Verordnung: die Futtermittel Verordnung (EG) Nr. 767/2009. Genannt werden muss unter anderem jeder Zusatzstoff, für den ein Höchstgehalt gilt. Dieselbe Verordnung verbietet Heilversprechen. Ein Satz wie „lindert Gelenkbeschwerden“ hat auf einer Futterpackung also nichts zu suchen.

Warum auf dem Etikett nicht alles steht, was drin ist

Die Lücken in der Kennzeichnungspflicht

Klingt nach voller Transparenz. Ist es aber nicht. Drei Dinge sollten Sie wissen:

  • Nennen muss der Hersteller vor allem das, wofür ein Höchstgehalt gilt. Vieles andere darf er weglassen.
  • Was schon in einer angelieferten Zutat steckt, muss nicht noch einmal auftauchen. War die Ware bereits konserviert, sehen Sie davon nichts.
  • Gemessen wird vor dem Trocknen. Die vielzitierten 60 Prozent frisches Fleisch schrumpfen im fertigen Trockenfutter deshalb auf einen Bruchteil, weil das Wasser unterwegs verschwindet.

Eine kurze Zutatenliste ist also kein Beweis für Hundefutter ohne Zusätze, aber ein gutes Zeichen. Je länger die Lieferkette und je stärker verarbeitet das Produkt, desto mehr Unsicherheiten sammeln sich an. Bei einem getrockneten Kauartikel aus einer einzigen Zutat gibt es sie praktisch nicht.

Deklaration lesen: offen, geschlossen und was das bedeutet

Der wichtigste Unterschied steckt in der Art der Auflistung. Bei einer geschlossenen Deklaration stehen Sammelbegriffe wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ oder „pflanzliche Nebenerzeugnisse“ auf der Packung. Welche Tierart, welcher Anteil, welche Qualität dahintersteckt, bleibt offen.

Eine offene Deklaration nennt jede Zutat einzeln, mit Prozentangabe. Eine Verwechslung passiert dabei ständig: Die analytischen Bestandteile sind nicht die Zutatenliste. Dort stehen nur Nährwerte wie Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche, also was drinsteckt, nicht woraus es gemacht ist.

Worauf es dabei sonst noch beim Kauf von Tierfutter ankommt, haben wir in unserem Beitrag zur „Qualität von Hundefutter und Kausnacks“ zusammengetragen.

Diese fünf Handgriffe verschaffen Ihnen in einer Minute Klarheit:

  • Die Zutaten stehen absteigend nach Gewicht. Was vorn steht, bestimmt das Produkt.
  • Suchen Sie nach Prozentangaben. Fehlen sie komplett, ist Vorsicht angebracht.
  • Prüfen Sie die Liste auf Zuckersynonyme.
  • Je kürzer die Liste und je verständlicher die Namen, desto besser.
  • Bei Kauartikeln gilt der einfachste Maßstab: eine Zutat, hundert Prozent, sonst nichts.

Natürliches Hundefutter ohne Zusatzstoffe erkennen: 5 Qualitätsmerkmale

Zwischen Werbeversprechen und Realität liegt oft die Rückseite der Packung. Natürliches Hundefutter ohne Zusatzstoffe und gute Kauartikel erkennen Sie an diesen fünf Merkmalen:

  1. Benannte Fleischanteile. Muskelfleisch und Innereien stehen mit Tierart und Prozentangabe da, nicht als Nebenerzeugnis.
  2. Keine sensorischen Zusätze. Weder Farbstoffe noch Aromen oder Geschmacksverstärker.
  3. Schonende Haltbarmachung. Lufttrocknung und Pasteurisation ersetzen künstliche Konservierung. Das ist der Weg zu Hundefutter ohne Konservierungsstoffe.
  4. Wenig oder kein Getreide. Getreide dient häufig als günstiger Füllstoff.
  5. Offene Deklaration. Jede Zutat einzeln, nachvollziehbar benannt.

Welche Bestandteile darüber hinaus in den Futternapf gehören, lesen Sie in unserer Übersicht zu den „Inhaltsstoffen in Hundefutter und Kauartikeln“.

Hundefutter ohne Zusätze und Konservierungsstoffe kaufen
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Natürlich gut: Kausnacks für Hunde ohne Zusatzstoffe

Kauartikel sind kein Futterersatz, sondern Beschäftigung und Belohnung. Ihr Vierbeiner arbeitet minutenlang an einer Sehne, baut dabei Anspannung ab und kommt zur Ruhe. Umso weniger Sinn ergibt es, ausgerechnet in dieser Zeit Überflüssiges mitzuliefern.

Bei Kauartikeln ist der Verzicht auf Zusatzstoffe leichter zu erfüllen als bei jedem anderen Produkt. Getrocknetem Fleisch fehlt das Wasser, das Bakterien zum Wachsen brauchen, deshalb hält es auch ohne Konservierungsmittel monatelang. Naturbelassene Kausnacks bestehen im besten Fall aus genau einer Zutat.

Welche Sorte für Ihren Vierbeiner passt, hängt von der Kaukraft des Tieres ab. Rinderohren, Schweinenasen, Hühnerfüße, Ziegenhaut, Kaustreifen oder Nackensehnen unterscheiden sich in Härte, Kaudauer und Geschmack.

Für empfindliche Vierbeiner ist die kurze Zutatenliste ein doppelter Gewinn: Wo nur eine Proteinquelle enthalten ist, gibt es auch nur einen möglichen Auslöser. Kausnacks für Allergiker arbeiten genau nach diesem Prinzip.

Kausnacks ohne Zusätze für Hunde mit Allergien, Mini-Straußenwurst

Wie Sie einen Auslöser überhaupt eingrenzen, beschreiben wir im Beitrag zu Futtermittelallergien beim Hund.

Bei Kauknochen aus geprüfter EU-Ware sind Rohstoffe und Verarbeitung dokumentiert. Bei sehr günstiger Importware ohne klare Herkunftsangabe lässt sich dagegen kaum nachvollziehen, wie die Häute behandelt wurden, bevor sie in der Tüte landen. Dasselbe gilt für kleine Leckerchen, die im Training oft in größeren Mengen über den Tag verteilt werden.

Naturqualität, die Ihr Vierbeiner schmeckt

Sie müssen nicht jede E-Nummer auswendig lernen. Es genügt, die Packung einmal umzudrehen, bevor sie im Einkaufswagen landet, und auf drei Dinge zu achten: kurze Zutatenliste, benannte Fleischanteile, keine Farb- und Aromastoffe. Nach ein paar Einkäufen erkennen Sie Hundefutter ohne Zusätze und gute Kauartikel binnen Sekunden. Und Ihr Vierbeiner merkt den Unterschied ohnehin zuerst, spätestens wenn er den ersten naturbelassenen Kausnack zwischen den Pfoten hat und eine Stunde lang nichts anderes mehr wahrnimmt.

Häufige Fragen zu Zusatzstoffen im Hundefutter

Ist Hefe im Hundefutter bedenklich?

Es kommt auf die Form an. Bierhefe wird als Nährstofflieferant eingesetzt und gilt als unproblematisch. Hefeextrakt dagegen wirkt als Geschmacksverstärker und dient häufig dazu, schwachen Eigengeschmack aufzuwerten. Warum das kritisch zu sehen ist, erklären wir ausführlich im Beitrag Warum auf Geschmacksverstärker verzichtet werden sollte.

Ist „ohne Zusatzstoffe“ ein geschützter Begriff?

Nein. Die Angabe ist freiwillig und rechtlich nicht definiert. Ein Produkt darf sich Hundefutter ohne Zusatzstoffe nennen und trotzdem Stoffe enthalten, die nicht deklarationspflichtig sind. Verlässlich ist allein die Zutatenliste auf der Rückseite, nicht die Aussage auf der Schauseite.

Sind alle E-Nummern schlecht für Hunde?

Nein. Hinter E 300 verbirgt sich Ascorbinsäure, also Vitamin C, hinter E 306 stecken Tocopherole, also Vitamin E. Die Nummer allein sagt nichts über die Bewertung aus, sondern nur, dass ein Stoff geprüft und zugelassen wurde.

Wie lagere ich Kausnacks ohne Konservierungsstoffe?

Trocken, luftig und dunkel. Luftdichte Plastikbehälter sind ungeeignet, weil Restfeuchte nicht entweichen kann und sich Schimmel bildet. Eine Papiertüte, ein Stoffbeutel oder die geöffnete Originalverpackung an einem kühlen Ort funktionieren am besten.