Ein Streifzug durch hohes Gras, ein Nickerchen im Unterholz und abends krabbelt es plötzlich im Fell. Zecken beim Hund gehören zu den häufigsten Parasitenproblemen, mit denen Hundehalter zwischen Frühjahr und Herbst konfrontiert werden. Die kleinen Blutsauger sind nicht nur lästig: Sie können gefährliche Krankheitserreger übertragen und die Gesundheit Ihres Vierbeiners ernsthaft gefährden. Wie Sie einen Zeckenbiss früh erkennen, die Parasiten sicher entfernen und welcher Zeckenschutz wirklich hilft – das erfahren Sie in unserem Magazin.
Warum Zecken für Hunde gefährlich sind
In Deutschland sind rund 20 Zeckenarten heimisch. Drei davon befallen Hunde mit Abstand am häufigsten: der Gemeine Holzbock, der bereits bei sieben Grad Celsius aktiv wird, die Auwaldzecke und die Braune Hundezecke. Mittlerweile wurden auch sogenannte „parasitäre Exoten“ wie die Riesenzecke Hyalomma hierzulande nachgewiesen – eine Folge der zunehmend milden Winter.
Der eigentliche Zeckenbiss ist für den Vierbeiner kaum spürbar. Die Parasiten ritzen die Haut mit ihrem Mundwerkzeug an, stechen mit dem Stechrüssel zu und ernähren sich vom Blut sowie von der Lymph- und Zellflüssigkeit. Während des Saugens sondern Zecken ein Sekret ab, dass gleichzeitig betäubend, entzündungshemmend und gerinnungshemmend wirkt. So merkt die Fellnase also zunächst nichts vom „Zeckenangriff“.

Die Gefahr liegt im Infektionsrisiko: Zecken dienen als Zwischenwirt für zahlreiche Bakterien und Erreger, die beim Saugen in den Hundekörper gelangen können. Schon ein einziger Biss reicht dafür aus.
Wie lassen sich Zecken beim Hund schnell erkennen?
Zecken sind Meister im Verstecken. Vor dem Festsaugen sind sie nur wenige Millimeter groß, dunkelbraun bis schwarz und leicht zu übersehen, gerade bei Vierbeinern mit langem oder dunklem Fell. Einmal vollgesogen, schwellen sie auf die Größe einer kleinen Erbse an und schimmern gräulich.
Eine häufige Frage: Ist das eine Zecke oder eher eine Warze? So können Sie den Unterschied erkennen: Warzen sitzen breitflächig auf der Haut und lassen sich nicht bewegen. Eine festgesaugte Zecke ragt dagegen leicht hervor und fühlt sich beim Abtasten wie ein kleiner, glatter Knubbel an, der sich unter den Fingern minimal bewegen lässt.

Kontrollieren Sie Ihren Hund während der Zeckensaison von März bis Oktober nach jedem Spaziergang. Nehmen Sie sich extra Zeit für die Fellpflege und bürsten Sie das Fell gründlich durch oder fahren Sie mit den Fingern systematisch über die Haut. Lieblingsstellen der Parasiten sind Kopf, Ohren, Nacken, Achseln und die Innenseiten der Schenkel – also überall dort, wo die Haut dünn und gut durchblutet ist.
Zecken beim Hund richtig entfernen – so klappt’s!
Je schneller Sie Zecken entfernen, desto geringer ist das Risiko einer Krankheitsübertragung. In den ersten 16 bis 24 Stunden nach dem Stich steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Erreger in den Blutkreislauf gelangen. Schnelles Handeln zahlt sich also aus.
Verwenden Sie eine Zeckenzange, einen Zeckenhaken oder eine Zeckenkarte. Diese Werkzeuge sind speziell dafür konzipiert, den Parasiten möglichst nah an der Haut zu greifen, ohne ihn zu quetschen. Setzen Sie das Werkzeug direkt unter dem Zeckenkörper an der Einstichstelle an und ziehen Sie gleichmäßig, langsam und ohne Drehen heraus.

Sollte der Stechapparat in der Haut verbleiben, ist das kein Grund zur Panik: Er wird vom Körper nach einigen Tagen abgestoßen. Desinfizieren Sie die Einstichstelle anschließend und beobachten Sie sie in den folgenden Tagen, ob sich Rötungen oder Schwellungen bilden.

Beim Entfernen von Zecken, hält nicht jeder Hund still dabei. Die schnelle Lösung? Mancher Vierbeiner lässt sich mit einem Hundekausnack ablenken, während Sie in Ruhe arbeiten können. Das Entfernen wird mit der Zeit zur Routine – üben Sie es früh, damit Ihre Fellnase die Prozedur gelassen hinnimmt.
Welche Krankheiten übertragen Zecken beim Hund?
Die eigentliche Gefahr eines Zeckenbisses liegt in den Zeckenkrankheiten, die er auslösen kann. Vier Erkrankungen treten in Deutschland bei Vierbeinern am häufigsten auf:
- Borreliose: Die am weitesten verbreitete Zeckenkrankheit. Rund 5 bis 20 Prozent aller Hunde in Deutschland tragen Borrelien in sich. Symptome wie Fieber, Gelenkschwellungen und Lahmheit können Wochen nach dem Biss auftreten. Nicht jede Infektion führt zum Ausbruch, doch unbehandelt kann Borreliose Organe und das Nervensystem schädigen.
- Anaplasmose: Wird durch das Bakterium Anaplasma phagocytophilum übertragen und greift die weißen Blutkörperchen an. Typische Anzeichen sind Fieber, Appetitlosigkeit und Gelenkschmerzen. Die Inkubationszeit beträgt ein bis zwei Wochen.
- Babesiose: Auch als „Hundemalaria“ bekannt. Der Erreger zerstört die roten Blutkörperchen und kann ohne rechtzeitige Behandlung lebensbedrohlich werden. Hohes Fieber, dunkler Urin und Blässe sind Warnsignale.
- FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis): Im Gegensatz zum Menschen erkranken Hunde seltener an FSME. Wenn doch, können neurologische Symptome wie Krampfanfälle, Koordinationsstörungen und Verhaltensänderungen auftreten.
Borreliose vs. FSME – was ist der Unterschied?
Beide Krankheiten werden durch Zecken übertragen, unterscheiden sich aber grundlegend. Borreliose wird durch Bakterien (Borrelien) ausgelöst und lässt sich mit Antibiotika behandeln. Gegen Borreliose gibt es für Hunde eine Impfung, die bereits ab der 12. Lebenswoche möglich ist. FSME hingegen ist eine Viruserkrankung, gegen die es für Hunde keinen Impfstoff gibt. Während Borreliose typischerweise Gelenke und Organe angreift, betrifft FSME das zentrale Nervensystem. Beide Erkrankungen erfordern eine zügige tierärztliche Diagnose.
Symptome nach einem Zeckenbiss beim Hund

Nicht jeder Zeckenbiss macht krank, aber wenn Symptome auftreten, ist schnelles Handeln gefragt. Das Tückische: Viele Zeckenkrankheiten zeigen erst Tage oder Wochen nach dem Biss erste Anzeichen.
Achten Sie auf folgende Warnsignale:
- Fieber, Müdigkeit und auffällige Schlappheit
- Appetitlosigkeit oder Futterverweigerung
- Lahmheit oder steifer Gang, der sich nicht „einläuft“
- Geschwollene Gelenke oder Lymphknoten
- Rötung oder Schwellung rund um die Einstichstelle
- Erbrechen oder dunkler, verfärbter Urin
Wenn Ihr Vierbeiner nach einem Zeckenbiss lahmt, sich zurückzieht oder Fieber entwickelt, suchen Sie umgehend eine tierärztliche Praxis auf. Eine Blutuntersuchung kann Aufschluss darüber geben, ob eine Infektion vorliegt. Früh erkannt, lassen sich die meisten Zeckenkrankheiten gut behandeln. Während der Genesungsphase tun Ihrem Vierbeiner schonende, gut verdauliche Leckerchen gut, die den geschwächten Organismus nicht zusätzlich belasten.
Vorsorge ist wichtig! Zeckenschutz beim Hund
Das europäische Expertengremium ESCCAP stuft den Zeckenschutz als Teil der Grundversorgung von Hunden ein. Hundehalter sind damit verpflichtet, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Die Ständige Impfkommission für Veterinärmedizin (StIKo Vet.) gibt hierfür hilfreiche Leitlinien heraus, an denen Sie sich orientieren können.
Doch welche Mittel schützen wirklich? Ein Überblick:
- Spot-On-Präparate: Werden auf die Haut im Nacken aufgetragen und verteilen sich über die Talgschicht. Sie wirken je nach Produkt vier bis sechs Wochen als Repellent oder Akarizid. Einer der am häufigsten genutzten Zeckenschutzmittel.
- Kautabletten: Wirken von innen und bieten je nach Wirkstoff bis zu drei Monate Schutz. Zecken sterben ab, nachdem sie zugebissen haben. Die Tabletten eignen sich gut für Hunde, die häufig schwimmen oder gebadet werden.
- Zeckenhalsbänder: Geben den Wirkstoff kontinuierlich über Monate ab. Allerdings eignen sie sich nicht für alle Hunde: Welpen, sehr alte Tiere und Hunde in Haushalten mit Kleinkindern sollten die Halbbänder nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt tragen.
- Impfung gegen Borreliose: Bereits bei Welpen ab der 12. Lebenswoche möglich und sinnvoll für Hunde, die viel draußen in Risikogebieten unterwegs sind.

Zusätzlich zum Zeckenschutzmittel sollten Sie Ihren Hund nach jedem Spaziergang gründlich absuchen. Die Kombination aus Vorsorge und Kontrolle bietet den zuverlässigsten Schutz. Machen Sie das Absuchen zum positiven Ritual: Ein paar Trainingsleckerlies als Belohnung sorgen dafür, dass Ihr Hund die Kontrolle geduldig über sich ergehen lässt.
Welches Präparat zum Zeckenschutz für Ihren Vierbeiner am besten geeignet ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer tierärztlichen Fachkraft.
Hausmittel als natürlichen Zeckenschutz – sinnvoll oder riskant?
Kokosöl gegen Zecken, Schwarzkümmelöl ins Futter, ätherische Öle ins Fell – die Liste vermeintlich natürlicher Zeckenschutzmittel ist lang. Tatsächlich zeigen einzelne Laborstudien, dass die in Kokosöl enthaltene Laurinsäure eine abschreckende Wirkung auf Zecken haben kann. Auch Schwarzkümmelöl wird in Hundehalterkreisen häufig empfohlen, nachdem ein Jugend-forscht-Experiment 2014 für Aufsehen sorgte.
Doch Vorsicht: Die Studienlage ist dünn, und kein Hausmittel bietet derzeit einen wissenschaftlich belegten, zuverlässigen Schutz vor Zeckenkrankheiten. Ätherische Öle wie Teebaumöl können für Hunde sogar giftig sein. Wer auf natürliche Unterstützung setzt, sollte diese immer nur als Ergänzung zu einem tierärztlich empfohlenen Präparat betrachten – niemals als Ersatz.
Und statt allein auf Hausmittel zu vertrauen, unterstützen Sie die Abwehrkräfte Ihres Vierbeiners lieber mit einer ausgewogenen Hundeernährung und hochwertigen Kauartikeln vom Hirsch oder vegetarische Leckerlies, die wertvolle Nährstoffe für ein starkes Immunsystem liefern.
Gut geschützt durch die Zeckensaison
Zecken beim Hund lassen sich nie vollständig vermeiden – dafür lieben unsere Vierbeiner das Herumschnüffeln in Gras und Unterholz viel zu sehr. Doch mit regelmäßigem Absuchen, einem wirksamen Zeckenschutz und dem richtigen Werkzeug für den Ernstfall haben Sie die Situation fest im Griff.
Nutzen Sie die schönen Monate draußen, genießen Sie gemeinsame Spaziergänge und belohnen Sie Ihren Liebling nach der Zeckenkontrolle ruhig mit einem naturbelassenen Leckerli. Denn wer gut vorsorgt, kann den Sommer mit seinem Hund unbeschwert genießen. Und das ist doch das Schönste an dieser Jahreszeit.
Hunde-Kausnacks Magazin
