« Auch das Spazierengehen will gelernt sein »
Früher Morgen, Tau auf dem Gras, und Ihre Fellnase steht schon schwanzwedelnd an der Tür. Für die meisten Hunde ist die Gassi-Runde das Highlight des Tages – und für Sie als Halter die beste Gelegenheit, gemeinsam frische Luft zu tanken, die Bindung zu stärken und Ihren Vierbeiner artgerecht auszulasten. Doch Gassi gehen ist weit mehr als eine Pinkelrunde um den Block. Leinenführung, Schnüffelzeit, das richtige Tempo und ein paar kluge Trainingseinheiten machen den Unterschied zwischen Pflichtprogramm und echtem Erlebnis. Wir zeigen Ihnen, worauf es beim Spaziergang mit Ihrem Hund wirklich ankommt.
Wie oft und wie lange sollte man mit dem Hund Gassi gehen?
Die Frage nach der richtigen Dauer und Häufigkeit lässt sich nicht pauschal beantworten, denn sie hängt von Alter, Rasse, Gesundheitszustand und Temperament Ihres Vierbeiners ab. Als Orientierung haben sich folgende Richtwerte bewährt:
| Alter | Häufigkeit | Dauer pro Runde |
| Welpe (bis 6 Monate) | 5–6 × täglich | 10–15 Minuten |
| Junghund (6–18 Monate) | 3–4 × täglich | 20–40 Minuten |
| Erwachsener Hund | 2–3 × täglich | 30–60 Minuten |
| Senior | 3–4 × täglich | 15–30 Minuten |
Rassen mit hohem Bewegungsdrang wie Australian Shepherds, Border Collies oder Weimaraner benötigen täglich deutlich mehr Auslauf als gemütlichere Artgenossen wie Bulldoggen oder Möpse. Auch Jagd- und Laufhunde sowie Windhunde brauchen ausgedehnte Spaziergänge, bei denen sie wirklich arbeiten dürfen – einfaches Dahertrotten reicht für sie nicht aus.
Nicht nur die Länge ist beim Gassigehen ausschlaggebend, sondern auch die Qualität: Eine halbe Stunde mit Schnüffelarbeit, Richtungswechseln und kurzen Trainingseinheiten kann Ihren Hund stärker auslasten als eine eintönige Stunde am Straßenrand.
Das 1×1 des Gassigehens – darauf sollten Sie achten
Ein guter Spaziergang ist das Ergebnis kleiner, kluger Entscheidungen. Die folgenden Tipps helfen Ihnen, das Gassigehen für Ihren Vierbeiner und für Sie selbst aufzuwerten.
Leinenführung: Entspannt statt angespannt
Zieht Ihre Fellnase an der Leine, wird jeder Spaziergang zur Kraftprobe. Trainieren Sie die Leinenführigkeit frühzeitig, am besten schon im Welpenalter. Das Prinzip ist simpel: Sobald die Leine straff wird, bleiben Sie stehen und warten, bis Ihr Hund sich zu Ihnen orientiert. Erst dann geht es weiter.

Ein gut sitzendes Brustgeschirr ist bequemer als ein Halsband und verhindert Druck auf die empfindliche Halswirbelsäule. Für das Freilauftraining in unbekanntem Gelände eignet sich eine Schleppleine von fünf bis zehn Metern, die Ihrem Vierbeiner Bewegungsfreiheit gibt, ohne die Kontrolle komplett abzugeben.
Leckerlis und Clickertraining für unterwegs
Der Spaziergang ist die perfekte Gelegenheit für kurze Trainingseinheiten. Kleine, weiche Trainingsleckerlies passen in jede Jackentasche und belohnen erwünschtes Verhalten sofort. Mit einem Clickertraining setzen Sie präzise Markersignale.

Ihr Vierbeiner versteht innerhalb von Sekunden, was Sie von ihm möchten. Nutzen Sie die ablenkungsreiche Umgebung draußen gezielt, um Kommandos wie „Sitz“, „Fuß“ oder den Rückruf unter Ablenkung zu festigen.
Körpersprache beim Spaziergang lesen
Ihr Hund kommuniziert während des gesamten Gassigehens über seine Körpersprache. Angelegte Ohren, ein abgewandter Blick oder Lecksignale an der Schnauze verraten Ihnen, ob er sich unwohl fühlt. Ein lockeres Wedeln auf mittlerer Höhe zeigt Entspannung, während eine steif nach oben gerichtete Rute Anspannung signalisiert. Wer diese Signale erkennt, kann Begegnungen mit anderen Hunden besser einschätzen und Konflikte frühzeitig entschärfen. Unser ausführlicher Ratgeber zur Körpersprache beim Hund hilft Ihnen, die Hundesprache sicher zu deuten.
Hund bellt andere Hunde an – was tun?
Bellt Ihr Vierbeiner bei Hundebegegnungen los, steckt dahinter meist Unsicherheit, Frustration oder fehlende Sozialisierung – selten echte Aggression. Erhöhen Sie den Abstand zum Auslöser und belohnen Sie ruhiges Verhalten, bevor Ihre Fellnase hochfährt. Dieses sogenannte Management-Training lässt sich hervorragend mit Hunde-Trainingssnacks umsetzen. Reagiert Ihr Hund trotz Training weiterhin heftig, ziehen Sie eine erfahrene Hundetrainerin oder einen Hundetrainer hinzu.
Gassi gehen am Abend und im Dunkeln
Gerade in den Wintermonaten führt die Abendrunde häufig durch die Dunkelheit. Reflektierende Geschirre, leuchtende Halsband-Anhänger oder LED-Leuchten am Brustgeschirr sorgen dafür, dass Ihre Fellnase für Autofahrer und Radfahrer sichtbar bleibt. Meiden Sie bei Dunkelheit unübersichtliche Wege und halten Sie Ihren Vierbeiner in der Nähe. Eine kurze, entspannte Schnüffelrunde ist abends oft sinnvoller als ein langer Marsch durch unbeleuchtetes Gelände.

Ausläufe im Sommer und Winter
Im Sommer gilt die Faustregel: Legen Sie die Hand fünf Sekunden flach auf den Asphalt. Ist er zu heiß für Sie, ist er zu heiß für Hundepfoten. Verlegen Sie Spaziergänge in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden und wählen Sie schattige Routen an Wald- und Feldwegen. Nehmen Sie immer Wasser und einen faltbaren Napf mit. Im Winter schützen Sie die Pfoten Ihres Hundes vor Streusalz, indem Sie sie nach jedem Spaziergang mit lauwarmem Wasser abspülen. Kleine Hunderassen und Vierbeiner mit kurzem Fell profitieren bei Minusgraden von einem gut sitzenden Hundemantel.
Leinen- und Maulkorbpflicht: Was Hundehalter wissen müssen
In vielen Gemeinden gelten in Parks, Innenstädten und Naturschutzgebieten Leinenpflicht und teils Maulkorbpflicht. Die Regelungen unterscheiden sich regional stark und können zusätzlich von der Kampfhundeverordnung des jeweiligen Bundeslandes abhängen. Hundehalter haften grundsätzlich für alle Schäden, die ihr Haustier verursacht – eine Hundehaftpflichtversicherung ist daher dringend empfehlenswert.

Und vergessen Sie die Kotbeutel nicht: Das Nichtentfernen von Hundekot kann mit einem Bußgeld von bis zu 150 Euro geahndet werden.
Informieren Sie sich über die lokalen Vorschriften in Ihrer Gemeinde, damit der Spaziergang entspannt bleibt. Ob Ihr Hund auf einer Rasseliste als Listenhund geführt wird, sollten Sie ebenfalls prüfen.
Wie lange hält ein Hund ohne Gassi gehen aus?
Ein gesunder, erwachsener Vierbeiner kann seine Blase in der Regel sechs bis acht Stunden kontrollieren – etwa über Nacht oder während eines normalen Arbeitstages. Länger als acht Stunden sollte kein Hund regelmäßig aushalten müssen, denn es geht beim Gassigehen nicht nur um den Toilettengang. Bewegung, frische Luft, soziale Kontakte und geistige Stimulation durch Gerüche sind Grundbedürfnisse, die über das reine Geschäft-Verrichten hinausgehen.
Welpen können ihren Harndrang maximal so viele Stunden kontrollieren, wie sie Lebensmonate alt sind – ein drei Monate alter Welpe muss also spätestens alle drei Stunden raus. Senioren und Hunde mit Blasenschwäche benötigen ebenfalls häufigere Spaziergänge im Freien. Wenn Sie beruflich länger außer Haus sind, organisieren Sie einen Gassi-Service oder bitten Sie Nachbarn um Unterstützung.

Welpe oder älterer Hund will nicht Gassi gehen – was tun?
Welpe verweigert den Auslauf im Freien
Ein Welpe, der sich an der Leine hinlegt oder partout nicht vorwärts will, ist selten stur – meist ist er schlicht überfordert. Neue Geräusche, fremde Hunde, vorbeifahrende Autos: Für einen jungen Hund ist die Welt draußen riesig und manchmal bedrohlich. Starten Sie mit sehr kurzen Runden in ruhiger Umgebung und steigern Sie Entfernung und Reizüberflutung langsam. Belohnen Sie jeden mutigen Schritt mit Leckerlis und setzen Sie auf positive Verstärkung statt auf Druck.
Die Faustregel für Welpen lautet: fünf Minuten Gassi gehen pro Lebensmonat, um Gelenke und Sehnen nicht zu überlasten.
Seniorhund möchte nicht mehr spazieren
Verweigert ein älterer Vierbeiner das Gassigehen, stecken häufig Schmerzen dahinter. Arthrose, Herzprobleme oder nachlassende Sehkraft können dazu führen, dass das Gassi gehen für Ihren Senior zur Last wird. Lassen Sie Ihre Fellnase tierärztlich untersuchen, bevor Sie das Verhalten als Sturheit abtun.
Passen Sie die Spaziergänge an: Kürzere Strecken, weiche Untergründe, keine Treppen und ein gemütliches Tempo helfen, die Freude an der Bewegung zu erhalten. Auch die Ernährung für alte Hunde spielt eine Rolle: gelenkunterestützende Nährstoffe wie Omega-3-Fettsäuren können die Beweglichkeit positiv beeinflussen.

Gassi gehen nach einer Krankheit, Geburt oder OP
Nach einer Operation, einer Geburt oder einer schweren Erkrankung gelten für die Spaziergänge im Freien besondere Regeln. In den ersten Tagen nach einem chirurgischen Eingriff beschränken sich die Ausgänge auf kurze Löserunden von fünf bis zehn Minuten – immer an der kurzen Leine, damit Ihr Hund nicht springt, tobt oder sich die Naht aufleckt.
Dasselbe gilt nach einer Geburt: Die Hündin braucht Ruhe, sollte aber dennoch regelmäßig für kurze Rundgänge vor die Tür.
Steigern Sie die Dauer der Spaziergänge schrittweise und orientieren Sie sich immer an der Belastbarkeit Ihres Haustieres. Achten Sie auf Anzeichen von Erschöpfung: vermehrtes Hecheln, Stehenbleiben oder ein unsicherer Gang sind Signale, das Gassigehen zu beenden.
Halten Sie die Absprache mit Ihrer tierärztlichen Fachkraft ein – sie kennt den Heilungsverlauf und kann Ihnen einen konkreten Aufbauplan empfehlen. Nach einer Kastration beispielsweise dauert die Schonzeit in der Regel zehn bis 14 Tage, nach einer Kreuzband-OP oft deutlich länger.
Wo am besten mit dem Hund Gassi gehen?
Abwechslung hält Ihren Vierbeiner geistig fit und macht jede Runde spannend. Ruhige Wald- und Feldwege bieten weiche Untergründe, die die Gelenke schonen, und eine Fülle von Gerüchen, die Ihr Haustier beschäftigen.

Im Sommer sind Strecken entlang von Bächen oder Seen ideal, damit Ihr Liebling sich abkühlen kann. In Wildgebieten und Naturschutzgebieten herrscht meist Leinenpflicht – halten Sie sich daran, auch um das Wild und die Bodenbrüter zu schützen.
Variieren Sie Ihre Routen regelmäßig. Jeden Tag dieselbe Runde um den Block wird für Hund und Halter irgendwann eintönig. Schon ein neuer Abzweig, ein anderer Park oder ein Ausflug in eine fremde Umgebung wecken die Neugier Ihres Vierbeiners und bieten völlig neue Schnüffelabenteuer.
Jede Gassi-Runde zählt – für Sie und Ihren Hund
Gassi gehen ist kein lästiges Muss, sondern die schönste gemeinsame Zeit, die Sie Ihrem Vierbeiner schenken können. Jeder Spaziergang stärkt die Bindung, hält Körper und Geist fit und lässt Ihren Hund die Welt mit all ihren Gerüchen erkunden.
Ob kurze Schnüffelrunde im Regen oder ausgedehnter Waldspaziergang bei Sonnenschein – Ihr Liebling wird es Ihnen mit leuchtenden Augen und wedelnder Rute danken. Und nach einem richtig guten Auslauf im Freien hat sich Ihre Fellnase einen naturbelassenen Hunde-Kausnack zum Entspannen redlich verdient.
Häufige Fragen rund ums Gassigehen
Kann man mit einem Hund aus dem Tierheim Gassi gehen?
Viele Tierheime bieten sogenannte Gassi-Geh-Patenschaften an. Als ehrenamtlicher Gassi-Gänger können Sie Tierheimhunde regelmäßig ausführen und ihnen damit Bewegung, Sozialkontakte und Abwechslung ermöglichen. Das hilft nicht nur den Hunden, sondern ist auch eine wertvolle Möglichkeit herauszufinden, ob ein Tier zu Ihnen passt. Fragen Sie direkt bei Ihrem örtlichen Tierheim nach den Bedingungen.
Darf ich mit meinem Hund im Wald ohne Leine Gassi gehen?
Das hängt vom Bundesland und der jeweiligen Gemeinde ab. In vielen Wäldern gilt Leinenpflicht, insbesondere während der Brut- und Setzzeit von April bis Juli. Selbst wo Freilauf erlaubt ist, sollte Ihr Vierbeiner über einen zuverlässigen Rückruf verfügen. Informieren Sie sich vor dem Spaziergang über die lokalen Regelungen.
Wie oft müssen Welpen Gassi gehen?
Welpen brauchen häufigere, dafür kürzere Ausläufe im Freien. Als Faustregel gilt: fünf- bis sechsmal täglich für jeweils zehn bis 15 Minuten. Planen Sie das Gassigehen nach dem Fressen, Schlafen und Spielen ein – das unterstützt gleichzeitig die Stubenreinheit.
Was nehme ich zum Gassigehen mit?
Zur Grundausstattung gehören Leine, Brustgeschirr, Kotbeutel und frisches Wasser mit faltbarem Napf. Zusätzlich empfehlen sich Leckerlis für unterwegs, ein Clicker für Trainingseinheiten und im Winter reflektierende Ausrüstung. Bei längeren Wanderungen packen Sie zusätzlich einen Erste-Hilfe-Beutel mit Zeckenzange und Verbandsmaterial ein.
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