« Darf er oder darf er nicht? »
Die Nacht senkt sich über das Haus, und während Sie unter die Decke schlüpfen, hören Sie das vertraute Tappen von Pfoten auf dem Flur. Ein fragender Blick, ein leises Seufzen – und schon liegt Ihr Vierbeiner eingerollt am Fußende. Eine Szene, die in Millionen deutschen Haushalten zum Alltag gehört. Doch kaum ein Thema spaltet die Hundewelt so sehr wie die Frage: Darf der Hund ins Bett oder gehört er konsequent in sein eigenes Körbchen?
Ist den Hund im Bett schlafen lassen unhygienisch?
Diese Frage sorgt regelmäßig für hitzige Diskussionen unter Hundehaltern. Die einen empfinden es als unhygienisch, wenn das Tier zwischen den Laken schläft. Schließlich können über das Fell Flöhe, Zecken und andere Parasiten ins Bett gelangen. Schmutzige Hundepfoten nach dem Spaziergang sind zudem ein potenzieller Nährboden für Bakterien. Und dann wären da noch die Hundehaare, die sich unweigerlich kompletten Schlafgemach verteilen.
Doch wie groß ist das Risiko wirklich? Experten relativieren: Bei einem gesunden, regelmäßig entwurmten und gegen Parasiten geschützten Hund ist die Keimbelastung überschaubar.
Wichtig ist eine konsequente Hygiene:
- regelmäßiges Waschen der Bettwäsche
- Pfotenpflege nach dem Gassigehen
- Fellpflege des Vierbeiners
- Trainingsleckerlies gehören nicht ins Bett, sondern in die Trainingszeit
- eine gute Zahnpflege, um Mundgeruch beim Hund zu vermeiden, der Sie eventuell um den wertvollen Schlaf bringen kann. Naturbelassene Kauartikel unterstützen dabei die Zahngesundheit und sorgen gleichzeitig für frischeren Atem.
Wer allergisch auf Hundehaare reagiert oder ein geschwächtes Immunsystem hat, sollte das Schlafzimmer allerdings zur hundefreien Zone erklären. Hier überwiegen die gesundheitlichen Bedenken.
Rudeltiere suchen Wärme und Geborgenheit
Bevor Sie entscheiden, ob Ihr Vierbeiner künftig neben Ihnen schlummern darf, lohnt sich ein Blick auf sein natürliches Verhalten. Hunde sind Rudeltiere mit einem tief verankerten Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit. In einem Wolfs- oder Hunderudel schlafen die Tiere eng beieinander – nicht nur der Wärme wegen, sondern auch zum gegenseitigen Schutz.

Dieser Instinkt ist auch bei unseren domestizierten Vierbeinern noch lebendig. Wenn Ihr Hund nachts Ihre Nähe sucht, folgt er seinem genetischen Programm. Er betrachtet Sie als Teil seines Rudels und möchte dort sein, wo seine Familie ist. Dieses Sozialverhalten erklärt, warum viele Hunde unruhig werden oder winseln, wenn sie allein in einem anderen Raum schlafen sollen.
Das Bedürfnis nach Nähe ist keine Schwäche oder Anhänglichkeit im negativen Sinne. Es ist Ausdruck einer engen Bindung zwischen Mensch und Tier – und diese Bindung können Sie auch anders stärken: durch gemeinsame Aktivitäten, Hundesport und Trainingseinheiten mit wohlverdienten Leckerchen als Belohnung.
Was sagt Martin Rütter zum Thema Hund im Bett?
Der Hundeexperte Martin Rütter vertritt eine pragmatische Haltung: Er ist weder kategorisch dafür noch dagegen. Seine Empfehlung lautet, die Entscheidung individuell zu treffen, abhängig vom Vierbeiner, seiner Erziehung und den persönlichen Lebensumständen.
Rütter betont, dass ein entspannter, gut erzogener Hund durchaus im Bett schlafen darf, wenn beide Seiten davon profitieren. Der Schlüssel liegt in der klaren Kommunikation: Der Hund muss verstehen, dass der Schlafplatz ein Privileg ist, das jederzeit wieder entzogen werden kann. Wichtig sei außerdem, dass der Hund auf Kommando das Bett verlässt – ohne Diskussion.
Für Welpen und Junghunde rät der Experte allerdings zur Vorsicht. In der Prägephase ist es sinnvoll, dem Hund von Anfang an einen eigenen festen Schlafplatz zuzuweisen. So lernt er früh, auch ohne direkten Körperkontakt entspannt zu ruhen.
Problematisch wird es, wenn der Hund das Bett als sein Territorium verteidigt, etwa durch Knurren, wenn Sie sich nachts bewegen, oder durch Aggression gegenüber Ihrem Partner. In solchen Fällen sollte der Vierbeiner konsequent auf seinen eigenen Schlafplatz verwiesen werden. Nicht als Strafe, sondern als klare Regel, die Sicherheit für alle schafft.
Schon gewusst? Frauen schlafen mit Hund im Bett besser
Ein überraschendes Ergebnis lieferte eine Studie des Canisius College in New York: Frauen, die ihr Bett mit einem Hund teilen, schlafen häufig tiefer und erholsamer als Frauen, die allein oder mit einem menschlichen Partner schlafen. Die Forscherinnen befragten knapp 1.000 Teilnehmerinnen zu ihren Schlafgewohnheiten.

In der Studie zeigte sich, dass die Anwesenheit eines Hundes den Teilnehmerinnen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermittelt, das den Schlaf positiv beeinflusst. Anders als Katzen, die oft nachts aktiv werden, passen sich Hunde stärker an den Schlafrhythmus ihrer Besitzer und Besitzerinnen an. Menschliche Partner wurden in der Befragung übrigens häufiger als störend empfunden: sie schnarchen, bewegen sich oder nehmen zu viel Platz ein.
Im Übrigen zeigte sich dieser Effekt bei Männern kaum. Ihr Schlaf wurde durch die An- oder Abwesenheit eines Hundes wenig beeinflusst. Warum das so ist, konnten die Forscherinnen nicht abschließend klären. Vermutet wird, dass Frauen stärker auf das beruhigende Gefühl von Schutz und Nähe reagieren.
Wann der Hund besser nicht im Bett schlafen sollte
Bei aller Romantik gibt es Situationen, in denen das gemeinsame Schlafen keine gute Idee ist. Bei Allergien gegen Tierhaare sollte das Schlafzimmer tabu sein. Auch wenn die Symptome zunächst mild erscheinen, können sie sich durch nächtliche Dauerexposition verstärken.

Auch bei sehr großen Hunderassen wie Doggen, Bernhardinern oder Mastiffs stößt das Konzept an praktische Grenzen. Selbst im Kingsize-Bett kann es eng werden, wenn sich ein 60-Kilo-Hund breit macht. Schlechter Schlaf durch Platzmangel macht auf Dauer weder Sie noch Ihren Vierbeiner glücklich.
In Kinderbetten haben Fellnasen grundsätzlich nichts verloren. Kinder brauchen ungestörten Schlaf für ihre Entwicklung, und das Verletzungsrisiko – in beide Richtungen – ist zu hoch. Besser: ein eigenes Hundebett im Kinderzimmer, das klare Grenzen schafft.
Auch wenn Ihr Hund krank ist, gerade eine Magen-Darm-Infektion durchmacht oder der Fellwechsel im Frühjahr ansteht, sollte er vorübergehend auf seinen eigenen Schlafplatz ausweichen.
Der goldene Mittelweg: Hundebett im Schlafzimmer
Sie möchten Ihrem Vierbeiner die Nähe ermöglichen, aber das Bett für sich behalten? Dann ist ein Hundebett im Schlafzimmer die perfekte Lösung. Ihr Hund spürt die Verbundenheit zum Rudel, hat aber seinen eigenen definierten Platz.
Wählen Sie ein Hundebett, das zur Größe Ihres Vierbeiners passt – er sollte sich vollständig ausstrecken können. Eine kuschelige Decke oder ein Liegekissen erhöht den Komfort. Platzieren Sie das Bett in einer ruhigen Ecke oder am Fußende Ihres Bettes, sodass Ihre Fellnase Sie im Blick hat, ohne im Weg zu sein.

Auf seinem eigenen Platz kann Ihr Vierbeiner ungestört seinen Kauknochen genießen oder an einem getrockneten Rinderohr knabbern – Aktivitäten, die definitiv nicht ins Menschenbett gehören. Das abendliche Kauen entspannt übrigens und kann Ihrem Hund helfen, schneller zur Ruhe zu kommen.
Gemeinsame Rituale schaffen
Ob Ihr Hund im Bett schläft oder daneben, ist am Ende eine ganz persönliche Entscheidung. Es gibt kein Richtig oder Falsch, solange beide Seiten zufrieden sind und gut schlafen. Was zählt, ist die Qualität Ihrer Beziehung – und die entsteht durch gemeinsame Zeit, liebevolle Konsequenz und kleine Rituale, die Ihren Alltag bereichern.
Vielleicht wird das abendliche Kuscheln auf dem Sofa zu Ihrem besonderen Moment, bevor jeder seinen Schlafplatz aufsucht. Oder Sie genießen die morgendlichen Minuten, wenn Ihr Vierbeiner schwanzwedelnd ans Bett kommt und den Tag mit Ihnen begrüßt. Diese Verbindung ist unbezahlbar – ganz gleich, wo Ihr Hund die Nacht verbringt.
Hunde-Kausnacks Magazin


