Es beginnt meist harmlos: ein Extra-Leckerli hier, ein Rest vom Sonntagsbraten dort, dazu eine Runde weniger im Park. Irgendwann lässt sich die Taille kaum noch ertasten und der Tierarzt ist ebenfalls deutlich: Der Hund muss abnehmen. Übergewicht ist bei Vierbeinern längst ein Volksleiden, mit spürbaren Folgen für Gelenke, Herz und Lebensfreude. Wie Ihre Fellnase gesund und ohne Frust wieder in Form kommt, zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt.
Übergewicht beim Hund: Wann die Pölsterchen zum Risiko werden
Ein paar Gramm zu viel sind kein Drama, dauerhaftes Übergewicht dagegen schon. Fachleute gehen davon aus, dass in Deutschland fast jeder zweite Hund zu viel wiegt. Und jedes überschüssige Kilo belastet Gelenke und Bandscheiben, erhöht das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gelenkverschleiß und kann die Lebenszeit verkürzen.
Hinzu kommt ein Teufelskreis: Bewegung fällt schwerer, der Vierbeiner wird träger und letztendlich steigt das das Gewicht weiter an. Ein frühes Gegensteuern erspart Ihrem tierischen Freund also nicht nur Pfunde auf den Hüften, sondern auch Schmerzen. Je früher ein übergewichtiger Hund abnimmt, desto leichter fällt ihm der Weg zurück zur alten Beweglichkeit.
Ursachen, warum Hunde zunehmen
Die mit Abstand häufigste Ursache ist simpel: Das Tier nimmt mehr Energie auf, als es verbraucht. Zu große Portionen im Futternapf, zu viele Leckerlis nebenbei und zu wenig Alltagsbewegung summieren sich schnell.
Es gibt jedoch auch körperliche Gründe, die das Gewicht des Vierbeiners beeinflussen:
- Kastration: Der Grundumsatz, also der Energieverbrauch in Ruhe, sinkt um 20 bis 30 Prozent. Die Futterration muss entsprechend kleiner werden.
- Hormonelle Erkrankungen: Eine Schilddrüsenunterfunktion, also eine zu schwach arbeitende Schilddrüse, oder eine Überfunktion der Nebenniere können den Stoffwechsel ausbremsen.
- Medikamente: Bestimmte Wirkstoffe wie Kortison fördern Appetit und Fetteinlagerung.
- Alter: Seniorhunde bewegen sich weniger und brauchen weniger Energie.
- Rasse: Labrador, Golden Retriever, Mops und Beagle neigen erblich zu Übergewicht.

Ist mein Hund zu dick? So schätzen Sie das Gewicht ein
Ein Blick und ein Griff verraten viel. Bei normalgewichtigen Tieren sind die Rippen nicht sichtbar, aber unter leichtem Druck gut zu ertasten. Zusätzlich zeichnet sich von oben hinter dem Brustkorb eine Taille ab. Verschwindet diese Linie und lassen sich die Rippen nur noch mühsam finden, liegt Übergewicht beim Hund vor.
Wie Sie das Idealgewicht Ihrer Hunderasse einordnen und dieses mit dem sogenannten Body Condition Score – einer einfachen Skala für den Ernährungszustand – sicher bestimmen, lesen Sie ausführlich in unserem Beitrag „Das richtige Gewicht beim Hund“.
Hund auf Diät: Mit dem Kaloriendefizit gesund abnehmen
Abnehmen funktioniert bei Hunden wie bei Menschen: Es braucht ein Kaloriendefizit. Ihr tierischer Begleiter nimmt ab, wenn er mehr Energie verbraucht, als er aufnimmt. Wichtig ist dabei vor allem das Tempo. Die Pfunde sind langsam gekommen und sollten langsam wieder verschwinden.
Eine gute Richtlinie: Ein Verlust von etwa ein bis zwei Prozent des Körpergewichts pro Woche gilt als sicher. Von Radikalkuren sollte Sie absehen – diesen schaden, statt zu helfen.
Stellschraube in der Ernährung, wenn Ihr Hund abnehmen muss:
- Am Zielgewicht rechnen, nicht am Ist-Gewicht: Die Futtermenge orientiert sich am angestrebten Wunschgewicht Ihres Vierbeiners. Beim Abnehmen wird die Energiezufuhr häufig auf rund 60 Prozent des Erhaltungsbedarfs dieses Zielgewichts gesenkt.
- Nicht einfach die Portion halbieren: Eine bloß gekürzte Ration spart zwar Kalorien, aber ebenso Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe. Nährstoffreiche Reduktionskost deckt den Bedarf trotz weniger Energie.
- Eiweiß schützt die Muskeln: Ein ausreichend hoher Proteinanteil sorgt dafür, dass der Körper Fett abbaut und die Muskelmasse erhält, nicht umgekehrt.
- Ballaststoffe machen satt: Faserreiche Zutaten wie Flohsamenschalen füllen den Magen, ohne viele Kalorien zu liefern.
Drei Kniffe helfen beim Abnehmen zuverlässig:
- Portionen abwiegen statt schätzen und Leckerlis konsequent von der Tagesration abziehen.
- Die Zehn-Prozent-Regel beachten: Snacks sollten höchstens ein Zehntel der täglichen Energie ausmachen. Kalorienbewusste Diätleckerlies eignen sich hier als Belohnung, ohne die Bilanz zu sprengen.
- Ein kurzes Gewichtstagebuch führen und alle zwei bis vier Wochen wiegen. Das hält die Motivation hoch und macht Fortschritte sichtbar.
Ziehen alle im Haushalt mit, ist die halbe Miete gewonnen. Ein einziger heimlicher Wurstzipfel pro Familienmitglied summiert sich sonst zur zweiten Mahlzeit.

Schonende Bewegung für übergewichtige Hunde
Bewegung ist der zweite Hebel, wenn der Hund abnehmen muss. Wählen Sie die Hundesportart mit Bedacht. Ein stark übergewichtiger Vierbeiner gehört nicht sofort zum Joggen verdonnert, denn jedes Extrakilo belastet Gelenke und Herz.
Setzen Sie zu Beginn auf ausdauernde, gelenkschonende Einheiten: längere Spaziergänge mit flotten Passagen, Degility, sanftes Schwimmen oder Übungen im Wasser.
Kleine Bewegungsspiele bringen zusätzlich Schwung, etwa Slalom um Bäume oder das Robben unter Parkbänken. Sind die ersten Pfunde weg und die Kondition wächst, dürfen die Einheiten fordernder werden, dann ist auch lockeres Joggen wieder drin.
Als Belohnung für unterwegs eignen sich kleine, kalorienarme Trainingsleckerlies, die sich gut portionieren lassen.
Clever Abnehmen: Kopfarbeit statt Leckerli-Verzicht
Abnehmen heißt nicht hungern und schon gar kein Verzicht auf genussvolle Kaumomente. Kopfarbeit verbrennt Energie und lastet Ihren Vierbeiner aus, ohne die Gelenke zu strapazieren.
Verstecken Sie einen Teil der Tagesration oder ein paar Kausnacks in einem Schnüffelteppich, einem Leckerliball oder in der Wohnung und schicken Sie Ihre Fellnase auf die Suche. Solche Such- und Denkspiele machen zufrieden und lenken vom Betteln ab.
Sind Kausnacks in der Hunde-Diät erlaubt?
Kauen gehört zum Hundeleben, auch während einer Abnehmkur. Der Trick liegt in der Auswahl. Klassiker wie Schweineohren sind echte Kalorienbomben und sollten Pause haben. Deutlich schlanker sind Kauartikel aus magerem Fleisch von Strauß, Pferd, Hirsch oder Rind, etwa Zebu-Rinderohren oder Pferdeherz. Gezielt sollten Sie zu fett- und kalorienreduzierten Kausnacks zur Diät ihres Hundes greifen.
Lange Beschäftigung bei wenig Kalorien bieten außerdem Kaugeweihe und Kauwurzeln: Das harte Naturmaterial wird nur langsam abgetragen, hält den Vierbeiner beschäftigt und sättigt durch das ausdauernde Kauen ganz nebenbei.
Gemeinsam zurück in Form
Ein Hund, der abnehmen muss, braucht vor allem eines: einen Menschen, der ihn dabei begleitet und dranbleibt. Mit abgewogenen Portionen, klug eingesetzten Hunde-Kausnacks und täglicher Bewegung purzeln die Pfunde langsam, aber sicher – und mit jedem Gramm kehrt ein Stück Lebensfreude zurück. Freuen Sie sich auf einen Vierbeiner, der wieder leichter aufspringt, ausdauernder spielt und Ihnen mit wachen Augen und wedelndem Schwanz dankt.
Häufige Fragen rund ums Abnehmen beim Hund
Wie schnell darf ein Hund abnehmen?
Sicher sind etwa ein bis zwei Prozent des Körpergewichts pro Woche. Schnellere Erfolge klingen verlockend, belasten aber den Stoffwechsel. Geduld zahlt sich hier aus.
Welche Kausnacks sind für übergewichtige Hunde erlaubt?
Magere Varianten aus Strauß, Pferd, Hirsch oder Rind sowie Kaugeweihe und Kauwurzeln. Fette Klassiker wie Schweineohren sollten während des Abnehmens pausieren.
Wie viele Leckerlis sind während der Diät okay?
Als Faustregel gelten höchstens zehn Prozent der Tagesenergie. Wichtig ist, diese Menge von der Hauptmahlzeit abzuziehen und nicht zusätzlich zu geben.
Muss mein Hund für die Diät das Futter wechseln?
Nicht zwingend. Oft reichen kleinere Portionen und mehr Bewegung. Ob ein spezielles Diätfutter sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt.
Hunde-Kausnacks Magazin


